Aktuelles / Freitag, 4.Dezember.2015

Witten: Wieder ein Traditionsunternehmen in Insolvenz

Für das Ruhrgebiet stellen sich die von  Bundes- und Landesregierung stets als glänzend verkauften konjunkturellen Aussichten mehr und mehr als Potemkinsche Dörfer dar.In der Ruhrgebietsstadt Witten hat wieder ein Traditionsunternehmen das Insolvenzverfahren beantragt. Diesmal trifft es die seit 120 Jahren bestehenden Eisenwerke Böhmer.
Generell hat die Stadt Witten mit einer schwierigen Ausgangslage für Unternehmen und Einzelhandel zu kämpfen. Besonders davon betroffen war in jüngster Vergangenheit  die innovative Firma Habermann, welche spezielle Kunststoffteile, Tunnelbau-Technologie und Saugpumpen herstellt.  Sie hatte Anfang des Jahres große Teile der 250 Mitarbeiter starken Gesamtbelegschaft freigestellt. Später stellten die Stadtwerke Witten der Firma sogar den Strom ab, was massive Proteste seitens der Belegschaft mit sich brachte. Nach Auskunft der „IG-Metal“l scheint die Lage in der Firma nicht  rosig auszuschauen, die Mitarbeiter haben wie in vielen weiteren Wittener Firmen Existenzangst.
Eine weitere metallverarbeitende Firma in arger Schieflage war die kürzlich aufgelöste Metalsa Gruppe (vormals ISE) an der Dortmunder Straße. Dort hatte sich eine mexikanische Investorengruppe offenbar verspekuliert.  Nach langen Verhandlungen hat sich ein Unternehmen aus dem Sauerland dazu entschlossen, die Firma weitgehend zu übernehmen. Investitionsprobleme, massiver Stellenabbau und Beschäftigung von Zeitarbeitern haben die Belegschaft der diversen  Firmen in den Räumlichkeiten der ehemaligen ISE stark belastet.
Ein weiteres Problem stellt die Situation des Einzelhandels an der Wittener Bahnhofstraße dar. Galeria Kaufhof in der oberen Bahnhofstraße klagt über eine massive Kaufkraftabwanderung durch die am Hauptbahnhof fertigstellte Stadtgalerie. Die Verantwortlichen von Galeria Kaufhof mahnten die Verwaltung Wittens in der Vergangenheit immer wieder an, die Infrastruktur im oberen Bereich der Bahnhofstraße zu verbessern, um die Kaufkraft wieder anzukurbeln. Der teure Celestian-Bau ist aus Sicht der Bürgerbewegung PRO NRW ebenfalls eine vollkommene Fehlinvestition und städtebauliches Graus. Eine seitens der Stadt Witten geplante Bebauung des Kornmarkts bzw. ehemaligen Busbahnhofs könnte ein weiterer trauriger städtebaulicher Tiefschlag sein.
Der Wittener PRO-NRW-Ratsherr Christoph Schmidt äußerst sich zum Wittener Arbeitsmarkt:
„Die kürzlich bekanntgegebenen millionenschweren Einbußen durch fehlende Gewerbesteuereinnahmen in Witten kommen nicht von ungefähr. Die mehrheitlich von den Altparteien beschlossenen Maßnahmen zur Erhöhung der Gewerbesteuern machen sich nun deutlich im städtischen Etat bemerkbar. Gerade auch, da aktuell  9,4 Millionen Euro für die bei uns gastierenden Asylbewerber ausgegeben werden. 
Die Wittener Sozialdemokraten haben einen Pakt mit ihren ebenfalls regierenden Parteifreunden in den umliegenden Städten geschlossen, der besagt, daß die vollumfänglichen Steuern für Unternehmen nahezu identisch sein müssen, um Abwanderungen zu verunmöglichen. Der Standort Witten kann allerdings im direkten Vergleich mit den Zentren Bochum und Dortmund nicht mithalten. In der Vergangenheit beschwerten sich Einzelhändler aus dem Bereich der unteren Bahnhofstraße darüber, daß Steuern und Abgaben in Witten mittlerweile fast genauso hoch wie in Düsseldorf sind.
Witten braucht einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel. So müssen dringend die Gebühren für alle Unternehmer schrittweise drastisch runtergeschraubt werden. Ebenfalls müssen aus den umfangreichen bundespolitischen Fördermitteln Gelder für Existenzgründungen von Wittener Bürgern beschafft werden. Gleichzeitig muß die Stadt aber auch dringend  auf Investitionsakquise gehen und Unternehmen für den Standort Witten begeistern. Nur so läßt sich langfristig Wittens Wirtschaft wieder ankurbeln, was ebenfalls auf kurz oder lang die Einnahmen Wittens verbessern wird.“