Aktuelles / Donnerstag, 12.Juli.2012

Raus aus dem Euro!

Im Zuge unserer „Raus aus dem Euro“-Kampagne möchten wir Sie über den Euro aufklären. Sie sollen einen Einblick darüber erhalten, wie es zu dessen Einführung kam, was die ursprünglichen Ziele dieser Einheitswährung waren und wie die Realität aussieht.

Von Tony-Xaver Fiedler und Robin Classen

Im Zuge der Euro-Rettung sind viele Dinge offensichtlich geworden, die vorher von den Medien und der Politik gezielt verschwiegen worden sind. Die Griechenland-Aufnahme in den Euro-Raum hat nur funktioniert, da die Bilanzen gezielt verfälscht worden sind und die damals herrschende Politik einfach darüber hinweg geschaut hat. Jetzt müssen die Steuerzahler Europas und damit in erster Linie die deutschen Steuerzahler für diese Fehler der Vergangenheit aufkommen.

Mit immer tollkühneren Projekten und Finanzkonstruktionen wird probiert, den Kopf aus der Schlinge zuziehen und dem Ziel, die Vereinigten Staaten von Europa zu erschaffen, näher zu kommen. Nachfolgend werden die wichtigsten Fragen und Hintergründe ausführlich hier bearbeitet und geschildert.

Deutschland als Exportnation profitiert vom schwachen Euro! Wenn wir jetzt die D-Mark wieder einführen, dann wird unsere Exportwirtschaft den Bach herunter gehen!“

Dieses Argument ist wohl nicht nur das am öftesten vorgebrachte, sondern auch das am meisten im Volk bekannte. Glücklicherweise ist es jedoch auch dasjenige, welches am leichtesten zu widerlegen ist. Es darf zum einen nicht vergessen werden, dass die D-Mark seit ihres Bestehens 20 Mal aufgewertet wurde, teilweise sehr deutlich. Deutschland hat das als Exportweltmeister nie geschadet. Grund dafür ist zum einen, dass 40 Prozent der deutschen Exporte aus Importen bestehen. Deutschland ist ein rohstoffarmes Land, unser einziges Kapital ist Bildung. Alles, was Produktionsmaterialien und in den letzten Jahren insbesondere auch Treibstoff anbelangt, muss nach Deutschland importiert werden. Genau diese Importe würden im gleichen Verhältnis günstiger werden, wie die Exporte teurer: Ein Preisvorteil, den deutsche Unternehmen an ihre Kunden wieder zurückgeben könnten.

Trotzdem könnte das Argument der Euro-Befürworter greifen: Und zwar dann, wenn Deutschland eine Exportgüterstruktur wie China hätte. Wer zum Beispiel Kugelschreiber für 90 Cent das Stück massenhaft exportiert, muss auf jeden Cent achten. Schon bei 93 Cent kann sich der Export eventuell nicht mehr lohnen. Deutschland exportiert aber in erster Linie hochwertige Automobile und Maschinen – Produkte also, die man auch heute schon für teilweise ein Drittel oder die Hälfte des deutschen Preises aus China und anderen Ländern erhalten kann. Trotzdem werden deutsche Produkte gekauft: Nicht, weil sie bestechend günstig sind, sondern auf Grund ihrer Qualität. Eine deutsche Maschine wird ein Unternehmen in England also unter Umständen statt für 200.000 Euro auch für 250.000 Euro kaufen – obwohl die chinesische Maschine heute schon nur 100.000 Euro kostet.

Dies hat Renate Ohr von der Universität Göttingen auch in einer wissenschaftlichen Studie festgestellt: Die Menge deutscher Exporte hängt kaum von deren Preisentwicklung, sondern vorrangig von der Konjunkturlage ab.

Von einer Aufwertung würden übrigens auch die Verbraucher profitieren: IPhone, Benzin und andere Importgüter würden deutlich günstiger.

Gerade der Umstand, dass Deutschland das zweitniedrigste Wachstum im Euroraum seit dessen Einführung hat, nährt den Verdacht, dass wir vor allem Zahlmeister für fremde Wirtschaftsinteressen sind.

Deutschland hat vom Euro profitiert, weil das innereuropäische Wechselkursrisiko gefallen ist.“

Seit der Einführung des Euros ist in der Tat das Wechselkursrisiko gefallen: Ein deutscher Unternehmer, der Produkte nach Spanien exportiert, muss seine Planung nicht mehr von etwaigen Wechselkursschwankungen abhängig machen, sondern kann sicher planen. Fraglich ist, ob sich dieser Vorteil, der auf dem Papier bestechend wirkt, in den mehr als 10 Jahren Euro auch realwirtschaftlich positiv ausgewirkt hat. Tatsächlich ist der Handel mit europäischen Nationen seit der Euro-Einführung um 5 Prozent pro Jahr gewachsen. Diese Zahl relativiert sich jedoch, wenn man auf den Handel mit Nicht-Euroländern blickt: Dort ist der Handel nämlich um 6,5 Prozent pro Jahr gewachsen – also trotz der fehlenden Wechselkursparität deutlich stärker, als in der Eurozone. Insgesamt gesehen hat der Anteil der Eurozone seit der Einführung der gemeinsamen Währung um sechs Prozent auf nur noch 40 Prozent abgenommen. Die Wechselkursparität hat also keine nennenswerte Wirkung auf die innereuropäischen deutschen Exporte gehabt – und wenn doch, dann im Zweifel negativ. Nicht vergessen darf man auch, dass so gut wie alle Unternehmer gegen nennenswerte Wechselkursveränderungen versichert sind.

Der Euro hat Europa aber Frieden garantiert und Kriege verhindert.“

Immer dann, wenn die Euro-Befürworter wirtschaftlich offensichtlich widerlegt sind, wird dieser Einwand vorgebracht. Zunächst einmal ist festzuhalten: Auch vor der Papiergeldeinführung des Euros im Jahr 2002 hat Europa rund 60 Jahre ohne Krieg zustande bekommen. Schaut man sich heute die Situation auf diesem Kontinent an, so muss man sagen, dass die 10 Jahre Euro das – wenn auch weiterhin unwahrscheinliche – Risiko eines Krieges in Europa eher verstärkt haben: Plötzlich herrscht wieder Neid und Hass zwischen den Völkern; in Griechenland werden deutsche Fahnen verbrannt, man spricht von einem deutschen „Spar-Faschismus“, britische Zeitungen titeln, dass Deutschland durch den Euro nun doch noch über Europa herrschen würde und auf der anderen Seite fühlen sich die Deutschen als die Zahlmeister für die „faulen Griechen“.

Schaut man zurück in die Geschichte, so erkennt man schnell: Gemeinsame Währungen haben Kriege nie verhindern können. Ob nun der amerikanische Bürgerkrieg, die auseinandergefallenen englischen und französischen Kolonien, die Sowjetunion, Jugoslawien oder die Tschechoslowakei – alle hatten eine künstliche, gemeinsame Währung und sie hat militärische Auseinandersetzungen nicht ausschließen können, hat im Zweifel sogar noch zu ihnen beigetragen. Europa hat in den letzten 60 Jahren die verschiedensten Währungsreformen, die Abkehr vom Goldstandard und vieles andere friedlich überstanden: Einen Euro haben wir dafür jedenfalls nicht gebraucht.

Wenn der Euro scheitert, dann scheitert Europa!“

Dieser, von Angela Merkel mantraartig wiederholte Ausspruch ist ein treffendes Beispiel für propagandistische Worthülsen seitens der Euro-Befürworter. Zunächst einmal gilt es festzuhalten: Weder die EU noch die Euro-Länder sind „Europa“. Europa ist ein Kontinent mit jahrtausendelanger bewegter Geschichte, unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten. Die EU ist ein supranationales Gebilde, was in dieser Form gerade mal seit dem 1992 verabschiedeten Vertrag von Maastricht besteht, ihr gehören nicht mal im Ansatz alle europäischen Länder an, Norwegen und die Schweiz seien an dieser Stelle als Beispiele genannt. Jedenfalls würde der geographische Kontinent und der Kulturkreis Europa auch dann weiterbestehen, wenn die gleichmacherische und schon vom Grundgedanken her undemokratische EU verschwinden würde. Wahrscheinlich würde ein Europa der Nationen mit kulturellem und wissenschaftlichem Austausch sowie einer Freihandelszone sogar wesentlich bunter, wirtschaftlich potenter und in jedem Fall freiheitlicher sein, als die Brüsseler Kommissarsclique es jemals erreichen kann.

Der Euro-Ausstieg Deutschlands ist doch gar nicht möglich!“

Gerade in Amerika, aber auch in anderen Ländern und Kontinenten gibt es eine Vielzahl von Finanz- und Wirtschaftsexperten, die den Ausstieg aus dem Euro schon durchgespielt haben und allesamt zu dem Ergebnis kommen: Er ist sowohl rechtlich als auch tatsächlich möglich. Der britische Lord Simon Wolfson hat eigens einen Ideenwettbewerb für die Beerdigung des Euros ausgerufen, an dem sich Menschen aus allen Ländern beteiligen. Auch deutsche Zeitungen und Magazine wie die FAZ und der FOCUS haben den Euroausstieg schon durchgespielt und einen vergleichsweise problemlosen Weg zum Ausstieg aus dem Euro gefunden, der hier aus Platzgründen nicht en detail dargestellt werden kann. Auffallend ist, dass selbst dem Euro nahestehende Forscher und Institute an einer Ausstiegsmöglichkeit nicht zweifeln, aber die Kosten unrealistisch hoch darstellen, um diese Option zu diskreditieren. Alle anderen Studien sehen die Kosten zwar nicht als niedrig, jedoch im Vergleich zur Euro-Rettung als verhältnismäßig günstig an.