Aktuelles / Freitag, 3.August.2012

PRO NRW fordert Augenmaß in der Beschneidungsdebatte

Seit Wochen erlebt die Republik, dank eines Urteils des LG Köln, eine zugespitzte Debatte um die religiös-motivierte Beschneidung von Jungen.

Die Entfernung der Vorhaut ohne entsprechende Indikation ist aus medizinischer Sicht eine belastende und irreversible Operation. Die Zirkumzision ist eine außerordentlich belastende und schmerzhafte Operation, die wie jeder anderer chirurgischer Eingriff mit Risiken behaftet ist. Der Fall, der dem Urteil zugrunde lag, zeigt dies deutlich, denn der Junge kam wegen starke Nachblutungen in die Notaufnahme eines Krankenhauses.

Das Kölner Landgericht hat die Beschneidung zweifelsfrei als Körperverletzung qualifiziert. Dass eine Beschneidung, die für den Tatbestand einer Körperverletzung erforderliche sog. Substanzverletzung des kindlichen Körpers darstellt, darüber bestand bisher unter Juristen Einigkeit. Das Landgericht hat in Korrektur der bisherigen Rechtssprechung den Eltern jedoch keinen strafbefreienden Rechtfertigungsgrund für diese Körperverletzung wegen einer religiösen Partition zugebilligt.

PRO NRW vertritt als konsequente Rechtsstaatpartei in Sachen Beschneidung eine klare Linie. Für uns zählt primär das Kindeswohl. Bereits das Grundgesetz regelt in Artikel zwei die körperliche Unversehrtheit von Kindern. Nach unserer Überzeugung kann eine Beschneidung nur bei Volljährigkeit und freier Willensbekundung erfolgen. Eine weitere Ausnahme ist selbstverständlich gegeben, wenn medizinische Gründe für eine Beschneidung vorliegen. Die irreparable Beschneidung von Kindern stellen ein Gesundheitsrisiko sowie auch eine Bevormundung des Kindes dar. Schließlich ist auch der Fall denkbar, dass sich das Kind später gegen die Religion entscheidet.

Wenn nun die Kritiker eine unzumutbare Einschränkung der Religionsfreiheit in Deutschland monieren, so geht dies fehl. Es sollte wieder Sachlichkeit und Augenmaß in die Beschneidungsdebatte einkehren, insbesondere geht es darum, verbal abzurüsten. Die Tatsache, dass ein die körperliche Unversehrtheit von Kindern erheblich verletzendes Ritual eine Jahrtausende alte Tradition ist, rechtfertigt nicht deren Beibehaltung. Das Recht von Kindern auf eine unbeschadete Kindheit sollte als Grundkonsens unantastbar sein.