Landesweit / Donnerstag, 26.August.2010

Patrik Brinkmann: Nach dem Eisbrecher Sarrazin brauchen wir eine vereinte demokratische Rechte

Es ist Zeit, etwas zu Thilo Sarrazin zu sagen. Und es ist gleichzeitig gefährlich, sich zu ihm zu äußern. Nicht, weil man damit der Gefahr erläge, als „rassistisch“ diffamiert zu werden. Hier hat Sarrazin bei der Diskussion um sein neues Buch das einzig richtige getan. Er ist auf die wirklich blöden Diffamierungen zu diesem Thema erst gar nicht eingegangen.

Das kann man, es ist auch für die Rechte nicht weniger als eine Lehrstunde, mit zwei Zeilen erledigen: „Auf ihren Vorwurf des Rassismus will ich gar nicht eingehen. Denn damit bestätigt man ja zur Hälfte das, was man ablehnt. Ich bin kein Rassist.“ Diesen Satz sollte man sich merken und jede überflüssige Diskussion zu diesem Thema damit beenden.

Der deutsch-schwedische Pro-Politiker Patrik Brinkmann zu Besuch in Köln.

Allein die Tatsache, wie man mit den Thesen Sarrazins in der öffentlichen Diskussion umgeht, dokumentiert schon bestens, dass der SPD-Mann auf ganzer Linie recht hat. SPD-Chef-Gabriel nennt die Thesen, die er ganz offensichtlich nicht versteht, dämlich. Frau Merkel echauffiert sich, das Ganze sei unglaublich. Nein, das Einzige, was unglaublich ist, ist die Realitätsverweigerung der politischen Klasse, die auf Argumente offensichtlich überhaupt nicht mehr eingehen kann.

Und immer, wenn jemand in Deutschland oder Österreich die falschen Fragen stellt, dann macht er, wie Jörg Haider einen mysteriösen Autounfall, stürzt, wie Jürgen Möllemann, mit dem Fallschirm ab oder bringt sich, wie die lebensfrohe, energische Kirsten Heisig „ganz plötzlich“ um. Es wird in Deutschland auf oppositionelle Köpfe ein brutaler Druck ausgeübt. Dass sich Thilo Sarrazin dem nicht beugt, verdient höchsten Respekt.

Er muss sich vor niemandem entschuldigen. Auch nicht vor Herrn Kramer, vom Zentralrat der Juden in Deutschland, der Sarrazin empfohlen hat, in die NPD einzutreten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland billigt neuerdings also die Islamisierung unseres Landes. Darauf sollte man in aller Nachdrücklichkeit hinweisen. Ich möchte Herrn Kramer doch empfehlen, zum Islam zu konvertieren. Das macht dann wenigstens die Gefechtslage klarer. Man soll doch am Ende immer zu dem zugehören, wo das Herz schlägt. Im Übrigen, wenn Herr Kramer einmal Augen und Ohren aufsperren würde: Israel macht genau das, was Sarrazin fordert. Und das Land fährt in einem der größten Spannungsgebiete Erde gut damit.

Nein, Thilo Sarrazin sollte in überhaupt keine Partei eintreten. Jegliche Anbiederungsversuche von rechts sind mehr als peinlich. Jürgen Möllemann hatte es vor Jahren in seinem Buch „Klartext für Deutschland“ bereits auf den Punkt gebracht: „Deutschland braucht eine neue Politik. Und wenn es erforderlich ist, auch eine neue Partei. Aber eine, die nicht wieder so wird wie die anderen. Also eine ganz neue Art von Partei. Eine Partei, die weder ‚rechts‘ noch ‚links‘ ist, sondern eine, die einfach tut, was vernünftige Politiker aller Parteien längst für nötig halten – auch, wenn sie zu feige sind, es den Menschen zu sagen und endlich zu handeln.“

Der Einordnung in links und rechts kann man sich sicher nicht entziehen, und das Etikett ist auch nicht die Frage. Entscheidend ist, dass sich die Rechte nicht klassisch unter ihr eigenes Stigma einordnet. Also sich nicht typisch rechts, rassistisch, dumpf benimmt. Thilo Sarrazin hat einen unerhörten Dienst für Deutschland geleistet: Er hat Tabus aufgebrochen und eine Diskussion in Gang gebracht. Die demokratische Rechte darf jetzt nicht auch noch darauf warten, dass Sarrazin nun zusätzlich deren eigene Arbeit macht. Hier müssen die Beteiligten schon selbst tätig werden. Die Annäherung zwischen den Republikanern und der Pro-Bewegung ist bereits das richtige Signal. Aber wir dürfen hier nicht zu viel Zeit verlieren. Ich würde mir hier mehr Dynamik wünschen, eine raschere Solidarisierung. Wir werden uns auf Thilo Sarrazin berufen, weil wir uns um dieses Land sorgen.

Denn Deutschland verdummt tatsächlich in einem rasanten Tempo. Der SPD-Dissident stellt zurecht das Zusammenwirken verschiedener gefährdender Elemente fest. Die linke Indoktrination habe zu einer Zerstörung der Familie und damit zu einer Bevölkerungsschrumpfung geführt. Die Geburtenrate sei, wie Sarrazin zutreffend feststellt, schichtbezogen: Die Leistungsträger reproduzieren sich schlicht nicht mehr. Zusätzlich müsse die Gesellschaft noch einen Einwanderungsstrom von bildungsfernen Muslimen verkraften, die aber stattdessen einen starken voraufklärerischen Impuls in die Gesellschaft brächten und damit die Reste unseres erfolgreichen Gesellschaftsfundaments zu zerstören drohten. Thilo Sarrazin bringt mit dieser Argumentation die von den Linken seit 40 Jahren erfolgreich verbreitete Propaganda der Gleichheit ins Wanken. Gleichheitswahn führt zur Zerstörung der gesellschaftlichen Fundamente. Es ist eine unerträgliche Unterstellung, dass man stets als Rassist bezeichnet wird, wenn man diese augenfälligen Unterschiede zwischen den Menschen auch nur nüchtern erwähnt. Es gibt keine homogene Gesellschaft, oder um es andersherum zu sagen: Die homogenisierte, links-ideologische hoch erhitzte Gesellschaft ist genauso steril wie H-Milch. Aus ihr kann nichts mehr entstehen, wachsen.

Wenn wir dem Problem dieser Abwärtsspirale überhaupt begegnen wollen, dann müssen wir zunächst die Ungleichheit zwischen den Menschen wieder anerkennen, Elite fördern und nicht unter Faschismusverdacht stellen, die Bedingungen für die Leistungsträger in Deutschland verbessern. Sie sollen nicht entnervt diesem Staat den Rücken kehren, sondern hier das Land wieder aufbauen, Kinder bekommen, glücklich sein. Wir brauchen eine neue Solidarität für dieses Land – keinen linken Klassenkampf, der die Oberschicht gegen die Unterschicht aufhetzt.

Deutschland hat im Respekt zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen eine gute Tradition. Die Sozialversicherung Bismarcks ist auf der ganzen Welt ein leuchtendes Beispiel für diesen Respekt vor den Schwachen in der Gesellschaft. Solidarität heißt in diesem Sinn, dass man gemeinsam ein Gefühl dafür entwickeln muss, dieses Land wieder nach vorn zu bringen. Das geht aber nur, wenn die Arbeitskraft nicht in den Milliardengräbern unfähiger und korrupter Politiker versinkt. Wir brauchen die klügsten Köpfe, die fleißigsten Hände und einen gemeinsamen Willen, die Krise zu meistern. Wer dazu bereit ist, dem sollte man die Hand reichen – das schließt integrationswillige Einwanderer ein. Wer nicht dazu bereit ist, den sollte man im wahrsten Sinne des Wortes „links“ liegen lassen.

Die Rechte darf ihre historische Chance in dieser Situation nicht verpassen. Die Diskussion ist offen, die Argumente liegen auf dem Tisch. Jetzt muss ein gemeinsamer politischer Wille der demokratischen Rechten auf den Weg gebracht werden. Genug gute Kräfte sehe ich in der Pro-Bürgerbewegung und bei den Republikanern sowie zersplitterten Kräften. Viele Menschen warten jetzt auf ein Signal, dass nach dem Eisbrecher Sarrazin endlich eine vitale Rechte die politische Bühne betritt.

Ihr 

Patrik Brinkmann