Aktuelles / Freitag, 29.Juni.2012

NRW ausgerankt

Die Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ hat in dieser Woche eine Untersuchung veröffentlicht, wie „nachhaltig“ 50 deutsche Städte in den Kategorien Energie & Verkehr, Umwelt, Soziales, Humankapital, Transparenz und wirtschaftliche Nachhaltigkeit geführt werden. Nordrhein-Westfalen schnitt katastrophal ab. Unter den letzten zehn Städten finden sich acht aus NRW. Besonders vernichtend fällt das Ergebnis im Bereich „Soziales“ aus: dort finden sich unter den letzten 15 allein 10 Städte aus NRW. Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass auch der Faktor Sicherheit (Kriminalität, Aufklärungsquote) in das Sozialranking einfließt; und der ist in den meisten Städten Nordrhein-Westfalens bekannt nur gering ausgeprägt.

Man mag solchen Rankings durchaus skeptisch gegenüberstehen. Von einer methodischen Schlagseite zulasten von NRW kann aber nicht die Rede sein, denn Münster oder Düsseldorf schlagen sich im Vergleich ganz beachtlich. Die Schlusslichter im Land sind vielmehr Gelsenkirchen, Oberhausen, Herne, Solingen und beim Faktor Soziales auch Duisburg oder Köln. Was lässt sich daraus ableiten? Zum einen: die soziale Rhetorik der herrschenden Parteien, vor allem der SPD, macht noch kein soziales Land. Sozial heißt nicht, immer mehr Parteibuchinhaber im öffentlichen Dienst unterzubringen oder immer mehr Ausländer in die Sozialsysteme einwandern zu lassen. Sozial ist vor allem der Schutz vor Kriminalität aller Art. Und daran hapert es gewaltig.

Zum anderen: die Liste der Städte, die im Ranking schlecht abschnitten, gleicht weitgehend der Liste der PRO-NRW-Hochburgen bei Landtags- und Kommunalwahlen. Den amtlichen „Sozialwissenschaftlern“ die immer wieder abstruse Theorien ersinnen, um den Erfolg von PRO NRW zu erklären, ist dieser simple Zusammenhang offenbar entgangen. Die Bürger der Städte, die unter Kriminalität, Überschuldung und Verschmutzung leiden, wissen aber, dass sie eine Lobby brauchen, die nicht von den Altparteien zu erhoffen ist. Der PRO-NRW-Effekt, der in der Salafismus-Debatte seine Wirkung gezeigt hat, wird sich nach der nächsten Kommunalwahl auch dort geltend machen.