Aktuelles / Donnerstag, 19.Juli.2012

Kinderschutz geht über rituelle Beschneidungstraditionen

„In einem Land, in der inzwischen jede elterliche Ohrfeige aus Kinderschutzgründen unter Strafe steht, müssen selbstverständlich auch Genitalverstümmelungen und Beschneidungen bei Kindern verboten sein“,

schaltet sich PRO-NRW-Generalsekretär Markus Wiener in die aktuelle Debatte ein.

Markus Wiener

„Ich halte es für grundfalsch von der CDU und Bundeskanzlerin Merkel, nach dem Beschneidungsurteil des Kölner Landgerichts umgehend Sondergesetze zur Straffreiheit religiöser Beschneidungen von minderjährigen Jungen anzukündigen. Denn nicht umsonst weisen zahlreiche Kinderschutzorganisationen, Ärzte, Psychologen und Juristen daraufhin, dass es sich bei medizinisch nicht notwendigen Beschneidungen natürlich um Körpverletzungen mit erheblichen Komplikationsrisiken handelt. Wer zurecht die in manchen archaischen Kulturkreisen übliche Genitalverstümmelung von Mädchen kritisiert und deren harte Verfolgung in Deutschland fordert, der darf auch bei der traditionell-religiös begründeten Beschneidung von kleinen Jungen aus Angst vor einflussreichen Lobbygruppen nicht einfach die Augen verschließen. Das gebietet allein schon das grundgesetzlich geschützte Kindeswohl, das heutzutage in Deutschland generell stärker gewichtet wird als früher. Deshalb gilt es auch, das Urteil des Kölner Landgerichts zu respektieren, wonach medizinisch nicht notwendige Beschneidung von minderjährigen Jungen strafbar sind.“