Regional / Freitag, 11.Juni.2010

Gelsenkirchen: Vorlesestunde im Stadtrat

Dass höhere Beamte im Rang eines Polizeipräsidenten auch lesen können, sollte eigentlich Kernbestandteil ihrer Arbeitsplatzbeschreibung sein. Einen Beweis dafür hielt aber scheinbar der Gelsenkirchener Polizeipräsident für dringend nötig und bereicherte die gestrige Sitzung des Gelsenkirchener Stadtrates mit einer von ihm gestalteten Vorlesestunde. Er las dabei aus dem steuerlich finanzierten Groschenroman namens „Verfassungsschutzbericht“ vor und schenkte besonders den dort verbreiteten Halbwahrheiten über pro NRW, die bekanntlich schlimmer als jede Lüge sind, seine ganze Aufmerksamkeit. Haben Polizeipräsidenten eigentlich nichts Besseres zu tun?

Scheinbar haben sie es wohl nicht und solche kleinen Vorlesestunden bieten ja auch für die sich stets langweilenden Ratsmitglieder der etablierten Parteien einen großen Unterhaltungswert. So war es denn auch die SPD, die beantragt hatte, dass der Polizeipräsident neben der Partnerschaft zwischen Polizei und Stadt sowie die aktuelle „Kriminalitätslage“ auch über die Bürgerbewegung pro NRW und die linksextreme Marxistisch Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) berichtet. Warum der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Haertel so gar kein Interesse an den extremistischen Bestrebungen der Linkspartei zeigte, ließ er auch auf Nachfrage des pro-NRW-Fraktionsvorsitzenden Kevin Gareth Hauer unbeantwortet. „Liegt es vielleicht daran, dass die Landesspitze ihrer Partei in Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei war und vielleicht bald wieder ist?“, mutmaßte Hauer.

Weiterhin äußerte Hauer nach der Ratssitzung: „Dass Herr Haertel so großes Interesse an unserer freiheitlich-konservativen Bürgerbewegung hat zeigt mir, dass wir nach wie vor auf dem richtigen Weg sind. Wie er mehrfach betonte, hält er uns im Stadtrat für überflüssig. Es ist beruhigend zu wissen, dass dies nicht er oder ich entscheiden, sondern die Gelsenkirchener Bürger und die scheinen eine demokratische Opposition in Gestalt von pro NRW dringend nötig zu finden. Es könnte durchaus sein, dass Herr Haertel einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet hat. Sein politischer Existenzkampf gegen pro NRW spricht darüber Bände. Statt seine Energie im Kampf gegen den Bürgerwillen zu verschwenden wäre es vielleicht einmal ratsam, wenn er sich auf seinen Wählerauftrag besinnen würde und etwas für das Wohl der Gelsenkirchener Bürger täte.“