Landesweit / Dienstag, 17.August.2010

eigentümlich frei: der CDU die Maske vom Gesicht gerissen

In einer schonungslosen Abrechnung auf dem Internetportal der libertären Zeitschrift „eigentümlich frei“ wird dieser Tage der Merkel-CDU eindrucksvoll die konservative Maske vom Gesicht gerissen. „Dem Autor ist bei seiner Generalbrechnung mit der zeitgeistgewendeten Union voll zuzustimmen“, teilt auch der Pro-Politiker und frühere CDU-Vorsitzende von Köln-Ehrenfeld, Stadtrat Jörg Uckermann, die Kritik.  „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie weit die CDU inzwischen nach links gedriftet ist. Die letzten Gutgläubigen an der Basis stehen auf verlorenem Posten, während die CDU-Funktionärsschaft vor allem nach lukrativen Pöstchen, beruflichen Vorteilen und gesellschaftlicher Anerkennung giert. Die zu vertretenen inhaltlichen Ansichten geraten da zur absoluten Nebensache für diese stromlinienförmigen Damen und Herren!“

In dem Artikel auf  „eigentümlich frei“ heißt es zum Thema u.a. weiter:

Es gibt tatsächlich noch CDU-Mitglieder und sogar reihenweise CDU-Politiker, die das Märchen erzählen wollen, es handle sich bei der CDU um eine ,,bürgerliche”, ,,marktwirtschaftliche” oder gar ,,konservative” Partei. Wer sich nur am Rande mit Politik beschäftigt, der mag auch bei einem gut sortierten Oberstübchen zu einer solchen abstrusen Auffassung gelangen können. Wenn man solche Äußerungen jedoch politisch wohl interessierten Bürgern auftischt, so ist es nicht nur eine sachlich falsche Aussage, sondern richtiggehend unverschämt und dreist – selbst für Politiker-Verhältnisse. Denn es ist schlicht eine atemberaubende Beleidigung, zu unterstellen, dass Menschen, die im Zahlenraum von 100 und darüber hinaus schon sehr sicher rechnen können, dermaßen blöd sind, sich die Lüge von der ,,konservativen” CDU auftischen zu lassen.

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An entsprechenden Phrasen zur Pflege dieses Mythos vom ,,modernen Konservatismus” der CDU mangelt es von Seiten der CDU-Obrigkeit nicht. Bei der Bundesbildungsministerin Annette Schavan hört sich das so an: ,,Wir sind konservativ, wir sind aber mehr. Christdemokratie heißt, die Zeichen der Zeit erkennen und dort neue Wege gehen, wo dies mit Blick auf die eigenen Wertgrundlagen angesichts der Veränderungen der Gesellschaft notwendig ist.” Gerade das aber – und das ist das Problem – ist bei der CDU nie de Fall, weil diese ,,eigenen Wertgrundlagen” eben längst ganz andere, sozialistische sind. Bereits im März 2009 sagte Schavan im Interview mit der ,,Wirtschaftswoche” ähnlich: ,,Ich bin Christdemokratin. Dazu gehört auch die Überzeugung, bewahren zu sollen, was sich bewährt hat. Das ist konservativ.” Nicht gesagt wird, was es denn ist, was sich bewährt hat und was nicht. Auch die jüngste CDU-Bundestagsabgeordnete Nadine Müller beruft sich auf den Satz ,,Konservativ sein heißt nicht, die Asche zu behüten, sondern die Flamme zu bewahren.“ Nun wollen wir diese Sätze doch einmal mit der aktuellen Politik und dem aktuellen Menschenbild der CDU abgleichen und dann schauen, was sich nach Meinung der CDU nicht ,,bewährt” hat, und was zur ,,Asche” gehört, und was zur ,,Flamme”. Wir werden erstaunt sein.

Nicht bewährt hat sich nach Meinung der CDU nämlich beispielsweise etwas für das Leben ziemlich Fundamentales: das Leben selbst. Denn sie nimmt es achselzuckend zur Kenntnis, dass jedes Jahr in Deutschland über 100.000 Kinder bereits vor der Geburt in die Mülltonne geworfen werden. Das Leben also als ,,Asche”, als etwas das sich nicht bewährt hat, der Tod hingegen als weiterzugebende Flamme? Ein merkwürdiges CDU-Weltbild.

Nicht bewährt hat sich nach Meinung der CDU auch ganz eindeutig das deutsche Volk. Denn ebenso achselzuckend wird von der CDU zur Kenntnis genommen, dass die Deutschen nachweislich ein aussterbendes Volk sind, und zwar ziemlich rasant. Anstatt dagegen vorzugehen, will man die demographische Bombe mit Einwanderung entschärfen. Dass dabei dann das deutsche Volk ausstirbt, ist ja dann egal, da es sich nicht bewährt hat. Trotzdem verbreitet die CDU ständig ihre Lebenslüge, ihre Politik gerade zur Zeit der Alt-Bundesrepublik sei ja unglaublich wegweisend und toll gewesen, sie habe die ,,Weichen” gestellt für die Entwicklung der Bundesrepublik. Eine merkwürdige ,,wegweisende” und ,,Weichen stellende” Politik, bei der einem das eigene Volk wegstirbt wie die Fliegen.

Nicht bewährt haben sich auch Privateigentum und Freiheit – denn nichts anderes ist unter dem Begriff ,,Kapitalismus” ja zu verstehen. Über diesen sagt der ehemalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: ,,Die CDU ist keine kapitalistische Partei.” Wohlgemerkt: es geht hier nicht um den ,,Neoliberalismus” oder ,,Kasinokapitalismus”, sondern um den ganz stinknormalen Begriff ,,Kapitalismus”. Als der nun abgewählte Hamburger Bürgermeister auf seinen Satz ,,Der Kapitalismus ist gescheitert” angesprochen wird, antwortet dieser: ,,Das sagen doch fast alle, auch die Kanzlerin.” Dem entspricht natürlich nicht nur der Begriff, sondern auch die Politik. So verwundert es auch nicht, dass sich die Gesellschaft ideologisch ähnlich entwickelt: 80 Prozent der Ostdeutschen und 72 Prozent der Westdeutschen können sich laut einer Emnid-Umfrage vorstellen, in einem sozialistischen Staat zu leben – ohne dass die CDU dadurch auch nur entfernt in Unruhe oder Empörung versetzt worden wäre.

Nicht bewährt haben sich Meinungsfreiheit und Rechtsstaat. Das ist auch Alles ,,Asche”, die nicht länger behütet werden darf. 2008 bejubelte sie rund um den sogenannten ,,Anti-Islamisierungs-Kongress” des rechtspopulistischen Vereins ,,Pro Köln” die Aushöhlung des Rechtsstaats und das Verbot einer angemeldeten, legalen Demonstration und sprach von der ,,Zivilcourage” der Bürger, die nichts gegen die gewalttätigen Linksextremisten unternahmen. Selbst der angeblich besonders konservative Wolfgang Bosbach bejubelte das Verbot, womit wir wieder beim Thema sind, was unter dem angeblichen ,,modernen Konservatismus” zu subsumieren ist: Die Zerstörung von Rechtsstaat und dem letzten Rest von Anstand und politischer Kultur. Dazu passt die permanente Verleumdung von Konservativen und Rechten wie Martin Hohmann, Eva Herman & Co durch die CDU. Laut dem derzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff hat sich Eva Herman ,,dümmlicher Verklärung der angeblich positiven Aspekte des Nationalsozialismus” schuldig gemacht. Schutz vor Verleumdung und übler Nachrede? So ein ewiggestriger Quatsch, hat sich doch nicht ,,bewährt”.

Nicht bewährt hat sich der Antitotalitarismus, obwohl durch den Totalitarismus im dreistelligen Millionenbereich unschuldige Menschen umgebracht wurden. Gulag, Stasi und Stacheldraht – für die CDU alles schon vergessen. In Cottbus arbeitet man bereits mit der blutroten ,,Linkspartei” zusammen. Der CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, warnt vor einer ,,Dämonisierung” der sogenannten ,,Linkspartei”, wie man sie in Orwell’schem Neusprech nennt. Böhmer kann sich vorstellen, „in Notsituationen“ auch mal mit der SED-Fortsetzungspartei zusammenarbeiten, in ferner Zukunft vielleicht sogar zu koalieren. In diversen Stellungnahmen ,,gegen Rechts” tauchen indessen immer wieder CDU-Amtsträger Seit an Seit mit Linksextremisten auf.

Es dürfte deutlich geworden sein, was für ein tückisches Biest dieser Begriff ,,moderner Konservatismus” ist. Denn mit dieser Propaganda von der Bewahrung des ausschließlich ,,Bewährten” und des Unterlassens des Behütens der ,,Asche” werden nicht einfach nur jegliche konservative und bürgerliche Werte in ihren Grundfesten systematisch zerstört. Zerstört wird unter dem Vorwand des ,,modernen Konservatismus” auch alles, was sich unter den Begriffen ,,Anstand”, ,,Sitte”, ,,Rückgrat”, ,,Ehre”, ,,Würde” oder ,,Gehirn-Benutzung” zusammenfassen lässt. Deswegen besteht das Elend der CDU nicht nur im politischen Linksruck, sondern es ist vor allem in der gigantischen moralischen Armseligkeit dieses Vereins zu betrachten, die vermutlich sogar die restlichen BRD-Kartellparteien noch übersteigt. Was für ein verkommener, armseliger, jämmerlicher Haufen. Abscheu, Ekel, Schauder.

Daher muss ich bei der CDU ganz ein ,,moderner Konservativer” sein, im Sinne der Worte von Annette Schavan: Ausschließlich das muss bewahrt werden, ,,was sich bewährt hat.” Die CDU kann dieses Kriterium nicht erfüllen, sie steht als Partei der Einknicker und Hofnarr des Parteiensystems als der beste Spiegel für den totalen moralischen und geistigen Verfall der Gesellschaft und den dieser Gesellschaft daher völlig zu Recht drohendem Untergang. Die Partei sollte also endlich auf dem Schrotthaufen der Geschichte verschwinden, aber bitteschön in der dunkelsten, dreckigsten, ungemütlichsten Ecke, da wo nur die Fliegen zum Imbiss hinkommen. Denn Konservatismus ist ja ganz gut, aber man muss auch mal die gesellschaftlichen Veränderungen anerkennen, anstatt immer nur ,,die Asche zu behüten”.

14. August 2010