Aktuelles / Donnerstag, 28.Juni.2012

Bonn: Wirtschaftliche Grundlage bröckelt

Die deutsche Telekom hat angekündigt, in ihrer Bonner Zentrale 1300 von 8000 Stellen zu streichen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann das niemanden wundern, hat das von der Regulierung gebeutelte Unternehmen doch mit stetig sinkenden Erträgen aus dem Festnetzgeschäft zu kämpfen, während hohe Abschreibungen auf Beteiligungen im Ausland drohen. Bereits 800 Arbeitsplätze sollen schon 2012 wegfallen. Mit dem angekündigten Stellenabbau ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: schon denken Telekom-Manager darüber nach, Zentralfunktionen ins Ausland, etwa nach Osteuropa, zu verlagern. Warum sollte das bei der Post auf lange Sicht anders laufen?

Für die Stadt Bonn ist das ein dramatisches Warnsignal. Die früher vom Bund alimentierte Stadt hat nach dem Abzug der Regierungsspitze darauf gesetzt, eine Verwaltungsstadt zu bleiben, mit einigen Ministerien und den stark besetzten Konzernzentralen von Post und Telekom. Die Gewerbesteuern der beiden Konzerne sind ein kritischer Posten im städtischen Haushalt, dessen möglicher Rückgang dem Kämmerer Angstschweiß auf die Stirn treiben muss. Dies umso mehr, als auch der allmähliche Abzug der verbliebenen Ministerien nach Berlin nur schwer zu verhindern sein wird.

Die geruhsame Existenz als verwöhnte Verwaltungsstadt wird also nicht ewig dauern. Eine vorausschauende Politik würde sich auf diese Entwicklung einstellen. Die Schaffung einer auch durch mittelständische Unternehmen geprägten Wirtschaftsstruktur wäre eine vorrangige Aufgabe. Der Abbau vermeidbarer Ausgaben eine andere. Doch Politik wird in der Stadt Bonn schon seit langem nicht mehr gemacht. Verwaltung und Rat blockieren sich gegenseitig. Die wirklichen Zukunftsfragen werden nicht einmal angesprochen. Stattdessen beherrschen „Schicksalsthemen“ wie das Bonner Loch oder die Bonner Oper die Diskussion. Selbst der obrigkeitsfromme General-Anzeiger konstatiert gerade, dass OB Nimptsch mit seinem Amt offensichtlich überfordert ist.

Nur ein Aufbrechen der verkrusteten Parteienlandschaft kann hier Abhilfe schaffen, nur eine schonungslose Bestandsaufnahme, die die heiligen Kühe der Altparteien nicht schont. Dass Bonn von der Substanz zehrt, haben wir an dieser Stelle schon vor vielen Monaten geschrieben. Die schlechten Nachrichten von der Telekom beweisen es (leider) wieder einmal.