Landesweit / Mittwoch, 15.September.2010

Warum blockt PI?

Judith Wolter und Jörg Uckermann zu PI, Andreas Molau und die Einheit der islamkritischen Bewegung: Während viele islamkritische und politisch unkorrekte Internetblogs und Foren, z.B. www.freiheitlich.org oder die „Grüne Pest“, bereits ausführlich über den offenen Brief der Pro-Politiker Judith Wolter und Jörg Uckermann an den Gründer des PI-Blogs Stefan Herre berichteten, schweigen PI und Stefan Herre weiter beharrlich. Selbst kontroverse Diskussionen vieler PI-Leser in den Kommentarspalten des Blogs führten bisher zu keiner offiziellen Stellungnahme. Die Pro-Politiker Judith Wolter und Jörg Uckermann wenden sich deshalb erneut an die islamkritische Bewegung, um deren Einheit und politische Durchschlagskraft auch für die Zukunft zu erhalten:

Eine offene Antwort auf unseren offenen Brief an Stefan Herre haben wir bis heute nicht bekommen. Wohl aber konnten wir bemerken, dass die Diskussionen auf den Kommentarspalten von PI stattfinden. Als Vertreter einer Bürgerbewegung finden wir es selbstverständlich, dass man auf Vorwürfe und Fragen eingeht. Allerdings und das müssen wir als Vorwurf aufrechterhalten, sind wir immer davon ausgegangen, dass man solche Auseinandersetzungen offen führt und nicht auf den Kommentarspalten zu anderen Themen.

Der ehemalige Waldorflehrer und heute freischaffende Publizist Andreas Molau (pro NRW)

Pro Köln und pro NRW sind auf kommunaler Ebene in NRW feste Größen im Kampf gegen die Islamisierung. Wir finden es schade, dass diese wichtige Aufgabe durch Zersplitterung geschwächt wird. Das ist und bleibt unsere Grundhaltung. Hierüber sollte offen geredet werden. Es sollte Stefan Herre nachdenklich stimmen, dass die größten Nazi-Blogs sich am meisten über diese ausbleibende Kommunikation und fehlendes gemeinsames Agieren freuen. Kampagnen können wirklich wirksam nur im Verbund von Medien und politischen Parteien geführt werden.

Bei den vielen Kommentaren zu Pro und PI kam immer wieder die Sprache auf Andreas Molau, der, sicher ganz gezielt, auf PI als Hassobjekt aufgebaut wird. Wir sind übrigens erstaunt darüber, dass man auf dem widerlichen und unappetitlichen Nazi-Blog Altermedia in einer ganz ähnlichen Weise über Andreas Molau schimpft. Dort wird er als Judenschwein diffamiert, der versucht hat, den NS-Narrensaum zu demokratisieren– der Nazi-Anwalt Rieger betrachtete ihn deshalb z.B. als seinen größten Feind –, und bei PI wird Molau als Judenhasser und Islamfreund dargestellt. Vielleicht ist dies ein Problem der virtuellen Kommunikation, dass man sich nämlich nicht auf seine eigene Wahrnehmung verlässt, sondern auf Fremdurteile.

Wir erleben das ja gerade bei Thilo Sarrazin: Da werden Worte aus dem Zusammenhang gerissen und immer zum Nachteil desjenigen bewertet, der sie ausgesprochen hat. Wenn man wissen will, was Andreas Molau denkt und wie er ist, dann sollte man mit ihm reden und nicht bloß immer wieder ein paar kryptische Zitate herauskramen, die das eigene Vorurteil bestätigen. Wir haben dies persönlich getan und können sagen, dass diese Hass-Urteile auf PI nicht stimmen. Ich glaube, dass sie instrumentalisiert werden, um eine Spaltung der Islamkritiker voranzutreiben.

Warum wurde Andreas Molau zu den vielen und zum Teil ehrabschneidenden Vorwürfen nicht einmal selbst befragt? In dem Magazin „eigentümlich frei“ hat er auch sehr offen über Fehler gesprochen. Wir kennen kaum Politiker, die dies so deutlich getan haben. Aber bei PI wird lieber über statt mit Molau geredet und man beschwert sich gleichzeitig darüber, dass es keinen offenen Diskurs gibt. Sein Wirken im Narrensaum war zweifellos ein großer Fehler – ein Fehler, den er aber inzwischen selbst eingesteht. Wenn jeder der anonymen Kommentatoren seine Vita so offen darlegen könnte, dann wäre das schon interessant. Wie viel Umwege hat mancher von rechten oder linken Gruppen gemacht, bis er in das Umfeld islamkritischer Gruppierungen gefunden hat? Und sicher gibt es bei jedem Äußerungen und Gedankengänge, die dem jeweiligen Umfeld geschuldet sind und die man heute kritisieren kann und muss.

Das Menschenbild von Andreas Molau ist nicht rassistisch, sondern humanistisch. Das sieht man an vielen Aufsätzen aus seiner Feder und nicht zuletzt an seinem Roman. Dass er bei Apfel und Voigt gelandet ist, ist kaum entschuldbar. Aber es widerspricht unserem christlichen Menschenbild – und das soll ja bei PI verteidigt werden –, dass man einem Menschen keine zweite Chance gibt. Auf Vorwürfe muss man reagieren können. Die immer wieder ins Feld geführte Karikatur stammt zum Beispiel nach seiner glaubhaften Aussage nicht aus seiner Feder. Natürlich kann man weiter das Gegenteil behaupten, vor allem unter dem Schutz der Anonymität. Andere Aussagen mögen kritisch hinterfragt werden mit dem Hinweis: Wie steht er heute dazu?

Die Stigmatisierung von politischen Köpfen ist einer der Gründe, warum es uns in die Politik getrieben hat. Wo man unbequeme Leute stigmatisiert, verächtlich macht, nur um sich vor einem Diskurs zu drücken, da hat die Demokratie schon verloren. Wenn eine Erklärung zum „Fall“ Molau erfolgen soll, wie sich dies manche PI-Nutzer wünschen, dann können wir nur sagen: Er zeigt in seiner täglichen Arbeit und in vielen Äußerungen, dass er Teil der serriösen demokratischen Rechten ist. Etwas mehr Mut, kritische Fragen offen zu stellen und eine Antwort zuzulassen, das wünschen wir uns von Stefan Herre, der ja selbst kurz mit Andreas Molau sprechen konnte, und von PI insgesamt.  Ein Mindestmaß an Fairness und die Fähigkeit zum offenen Wort, das sind Dinge, die wir von der politischen Klasse nicht nur bei der Sarrazin-Debatte vermissen. Wenn PI eine offene Sarrazin-Debatte fordert, dann muss es auch eine offene Molau-Debatte aushalten!

Dass es bei all diesen Fragen nie einen konkreten Hinweis darauf gab, dass sich die Pro-Bewegung inhaltlich vom Konsens früherer Jahre wegbewegt hat, lässt es uns umso unverständlicher erscheinen, warum PI gegenüber Pro blockt und Stefan Herre den Dialog scheut.

gez.

Judith Wolter und Jörg Uckermann