Aktuelles / Freitag, 17.Dezember.2010

Torsten Lange: Zur Abschaffung der Kopfnoten in NRW-Schulen

Der bildungspolitische Sprecher der Bürgerbewegung pro NRW, der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Torsten Lange, äußert sich in einem Beitrag für pro-nrw.net zur Abschaffung der Kopfnoten an den NRW-Schulen durch die neue rot-grüne Landesregierung:

Torsten Lange, Ex-Bundestagsabgeordneter der Grünen und bildungspolitischer Sprecher der Bürgerbewegung pro NRW

„Die am 15.12. 2010  parlamentarisch abgestimmte Abschaffung der Kopfnoten zeigt wieder einmal die  schulpolitische Schaukelpolitik der Altparteien auf. Hatte Schwarz-Gelb 2007 noch eine auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnittene breite Variante (Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Selbständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit) vorgelegt, blieb 2009  auf Druck von Eltern- und Lehrerverbänden eine Restversion ( Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit/Sorgfalt und Sozialverhalten )übrig, die Grün-Rot jetzt ganz abgeschafft hat.
 
Zwar sind Kopfnoten prinzipiell ungerecht, da junge Menschen in ihrer  Entwicklung nicht in Schubladen gesteckt und danach bewertet werden dürfen, schon gar nicht in Zielrichtung auf arbeitsmarktorientierte Kriterien. Die Folgen: Lehrer klagen völlig zu Recht über zeitlichen Mehraufwand und haben in Abschlussklassen große Probleme, wegen möglicherweise berechtigten Negativnoten die Berufsaussichten ihrer Schüler zu belasten.Einige Schulen vergaben deshalb bis auf wenige Ausnahmen die Pauschalnote 2.

Andererseits geben Kopfnoten Eltern am Ende der Schulhalbjahre wichtige Hinweise auf ihre eigenen Erziehungsarbeit. In  Zusammenarbeit mit den Lehrern können dann Defizite bei den Kindern angegangen werden.
 
Pro NRW tritt deshalb aus pädagogischen Gründen für die Beibehaltung von Kopfnoten ein. In Abschlusszeugnissen allerdings haben sie nichts zu suchen, da Schule im Sozialisationsprozess von Kindern und Jugendlichen weitgehend andere Kriterien anlegen muss als der Arbeitsmarkt.  Betriebe wissen dies auch, haben ihre Einstellungspraxis längst professionalisiert und auf eine breitere kommunikative Basis gestellt.“