Aktuelles / Mittwoch, 12.Januar.2011

Schulpolitik: NRW-CDU auf der linken Überholspur!

Der bildungspolitische Sprecher der Bürgerbewegung pro NRW, der Ex-Bundestagsabgeordnete Torsten Lange, kritisiert das erneute Einknicken der CDU in Sachen sozialistischer Einheitsschule. Konkret erklärt der Pädagoge und Bildungsexperte seiner Partei:

„Dass die CDU in der Schulpolitik, laut Röttgen eigentlich „das intensivste landespolitische Entscheidungsfeld und ein Zukunftsthema schlechthin“, resigniert hat, ist seit der letzten Landtagswahl bekannt. Und Fraktionschef Laumann gibt sein Desinteresse ja ganz offen zu, dass ihn die Debatten der letzten 35 Jahre nerven würden. Man erinnere sich: In den 70-er Jahren besaß die NRW-CDU noch zeitgeistkritisches Profil und stoppte im Kampf gegen die 68-er „Emanzipationspädagogik“ die sog. Koop-Schule, eine damals so genannte Form der Gesamtschule, die jetzt von Röttgen ungachtet ihres strukturell schwachen Leistungsniveaus ausdrücklich gewürdigt wird (siehe Vorstandsvorlage für den CDU-Landesparteitag im März).

Torsten Lange, Ex-Bundestagsabgeordneter der Grünen und bildungspolitischer Sprecher der Bürgerbewegung pro NRW

Was jedoch dem Fass den Boden ausschlägt ist die Bereitschaft der CDU, die in Art.12 der Landesverfassung NRW enthaltene Bestandsgarantie der Hauptschule aufzuheben. Das gesamte Rot-Grün-Links-Kartell im Land reibt sich verwundert die Augen, denn solches hatten nicht einmal die Kommunisten im Landtag öffentlich zu fordern gewagt.

Pro NRW hält dagegen mit guten Gründen an der Hauptschule fest. Wenn Hauptschulen entsorgt werden, so verschwindet damit nicht die (vor allem durch Zuwandererkinder aus bildungsfernen Schichten zusammengewürfelte) Schülerschaft. Diese wird auch nicht durch die Übernahme von Seiten der Realschule plötzlich motivierter und auf dem Arbeitsmarkt vermittelbarer; eher wird das Leistungsniveau der dann so genannten Verbundschule sinken. „Wenn sich Hauptschulen mit einem Migrantenanteil von 80 % überfordert fühlen, dann ist das kein Versagen der Hauptschule, sondern ein Versagen der Schul- und Migrationspolitik“ (J. Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 10.4.2006).

Die von der CDU angeführte Begründung des demographischen Faktors, der zum Ausbluten der Hauptschule führe, ist ein Scheinargument; wenn tatsächlich bei – vor allem einzügigen ländlichen – Hauptschulen die Schülerzahlen sinken sollten, ist es durchaus möglich, Kooperationen zwischen Hauptschulen des Umlandes in Kombination mit entsprechenden Verkehrsbeförderungsmaßnahmen zu installieren.

Betont werden muss, dass es in Deutschland über 7000 Hauptschulen gibt, von denen viele ausgezeichnete Arbeit leisten. So hatten sich 2007 rund 500 Hauptschulen für den vom Bundespräsidenten verliehenen Deutschen Hauptschulpreis beworben, den dann – man höre und staune – eine Schule unseres Bundeslandes (Hauptschule der Gemeinde Möhnesee) errang. Die Begründung: Sie sehe ihre Schüler als „Kunden“, entwickle individuelle Förderkonzepte für jeden Einzelnen, suche die Vernetzung mit externen Partnern, wie z.B. lokalen Unternehmen und qualifiziere ihre Schüler immer früher und intensiver für den Arbeitsmarkt – oftmals ab dem 5. Schuljahr. Vor allem aber gehe sie kreative Wege und zeige, dass an Hauptschulen hervorragende pädagogische Arbeit geleistet wird.

Solch positiven Tatsachen gehen im Anpassungskurs der CDU jedoch unter. Für die Abschaffung der Hauptschule und der damit verbundenen Zerbröselung des bewährten differenzierenden Schulsystems wird Röttgen wohl seine Mehrheit auf dem Landesparteitag bekommen. Und noch ein Beifall ist ihm sicher: von jenen, die sich aber erst einmal vom Schock erholen müssen, von der CDU links überholt zu werden! Das Schulministerium hat bereits andeuten lassen, dass man sich „über die positiven Aspekte“ freue.“