Regional / Dienstag, 17.September.2013

Schalke: NRW-Gutsherr Jäger?

Ende August stürmte beim Champions-League-Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und Paok Saloniki die Polizei Schalkes Fanblock. Grund war eine angebliche Provokation von Schalker Ultras: Eine Ausschreitung griechischer Fans sollte mit dem Vorgehen der Polizei verhindert werden, im Schalker Fanblock war ein mazedonisches Banner aufgezogen worden, das von den griechischen Anhängern als Affront gewertet werden konnte. Die Polizei sah darin sogar Volksverhetzung. Zahlreiche Helfer und friedliche Fans wurden durch das eingesetzte Pfefferspray getroffen.

Der Gelsenkirchener Klub kritisierte die Polizei umgehend und ließ verlautbaren: „Ein Polizeieinsatz mit Gummiknüppeln und Pfefferspray war der dramatische Höhepunkt eines Abends gegenseitiger Provokationen beider Fanlager. Die letzte und gravierendste Eskalationsstufe war aus Sicht des FC Schalke 04 jedoch in keiner Weise gerechtfertigt.“ Vorstandsmitglied Peter Peters kündigte kurz danach an: „Dieser Einsatz war völlig unverhältnismäßig. Wir können dies absolut nicht gutheißen und bringen dafür nicht das geringste Verständnis auf. Wir sehen daher dringend Gesprächsbedarf. Dieser Vorfall muß unbedingt aufgearbeitet werden.“

Offenbar fühlte sich der SPD-Innenminister auf den Schlips getreten, denn er kündigte in dieser Woche an, daß das Stadion ab sofort nicht mehr bewacht wird. Der Klub muß sich in Zukunft selbst schützen. Der Streit zwischen der Polizei/den Innenministern und der Fußball-Bundesliga erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Erstmals kommt es zum offenen Bruch zwischen der Ordnungsmacht und einem Fußballverein.

„Nach Gesprächen mit seinerzeit anwesenden Freunden, erhärtet sich der Verdacht, dass die Polizei bei ihrem Vorgehen offenbar weit über das Ziel hinausgeschossen ist. Übliche Fanaktionen wurden von der Polizeiführung für Volksverhetzung angesehen und schon soll der Knüppel gekreist sein“, bewertet Kevin Hauer, selbst Mitglied bei Schalke 04, den Vorgang sehr kritisch. „Aber der Kern der Problematik ist doch ein anderer: Warum muß der Steuerzahler Polizeieinsätze in Stadien zahlen“, fragt sich der PRO NRW-Stadtverordnete. „Die Vereine sind zu großen Kapitalanlagen geworden, Manager und Spieler erhalten kaum mehr nachvollziehbare Millionengehälter, während sich der einfache Fan die immer teurer werden Karten kaum leisten kann“, erklärt er verärgert. „Die Clubs müssen langsam einmal umdenken, nicht so gierig sein und dem einfachen Fan etwas vom Erfolg zurückgeben“, fordert Hauer.

Interessant ist dabei die Ankündigung des NRW-Innenministerns Ralf Jäger, den Verein künftig nicht mehr zu schützen. Bislang machten die Innenminister immer deutlich, daß das Gesetz sie zum Schutz verpflichte und eine neue Gesetzeslage hermüsse, um die Vereine an den immensen Kosten zu beteiligen. Hat der Innenminister nun nach Gutsherrenart gehandelt? „Wir werden sehen, Ralf Jäger ist bei anderen Gelegenheiten auch sehr vorschnell bei der Hand und muß häufig zurückrudern“, erinnert sich der PRO NRW-Stadtverordnete und schließt: „Mal schauen, wie lange seine voreilige Ankündigung diesmal Bestand hat“.

Tags: , ,