Aktuelles / Dienstag, 19.April.2011

Motivation durch Leitkultur und Perspektiven

NRW Arbeits- und Sozialminister Guntram Schneider (SPD) kommentierte jetzt in einem Interview das von der Bundesregierung initiierte Bildungspaket. Die Extramittel, die von der Bundesregierung für bedürftige Familien zur Verfügung gestellt wurden, waren in den vergangenen Monaten kaum angenommen worden. Die Antwort Schneiders auf die Situation: Man möge die Fristen verlängern und, statt einer Einzelprüfung, das Füllhorn gleichmäßig auf alle Hartz-IV-Empfänger ausschütten. Dieser Vorschlag, so der PRO-NRW-Generalsekretär Markus Wiener, zeige, dass die Sozialpolitik in einer Sackgasse stecke: „Das Austeilen von Geld- und Sachleistungen löst allein keine Probleme.“

Pro-NRW-Generalsekretär Markus Wiener

Im Gegenteil, so Wiener, zeige der Feldversuch Ursula von der Leyens, dass die derzeitige Sozialpolitik wieder einmal gescheitert sei: „Die Sozialpolitik der Altparteien im nationalen ist genauso gescheitert wie die Entwicklungshilfepolitik im internationalen Bereich. Den Zugang zur Bildung kann man sich nicht erkaufen. Die Tatsache, dass immer mehr Bevölkerungsteile abgehängt werden, hat vielmehr etwas mit kultureller Desorientierung und ökonomischer Perspektivenlosigkeit zu tun. Mit dem Verlust der kulturellen Bindekräfte haben die Bürger jeden Bezug zum Staat verloren. Schließlich demotiviert die Aussicht, mit modernen Billigarbeitssklaven, die im Namen der Humanität von Schleppern nach Europa deportiert werden, auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren zu müssen. Wir brauchen nicht in erster Linie mehr Geld für Bildung, sondern Motivation durch Leitkultur und Motivation durch Perspektiven. Die Perspektiven entwickeln sich aber erst in einem Gemeinwesen, in dem die Politik für den Schutz der Bürger sorgt.“

Schließlich zeigte sich Wiener erstaunt über die hartnäckigen Vorurteile des SPD-Ministers: „Herr Schneider lebt offenbar noch im 19. Jahrhundert und meint, dass kulturelle Bildung für Arbeiterfamilien nicht nötig sei. Körperliche Ertüchtigung, so der Minister, sei für Hartz-IV-Familien der musischen Bildung vorzuziehen. Dem kann man nur entgegnen: Jeder, der sich nicht bevormunden lassen will, sollte sich von Parteien wie der SPD abwenden. Ich finde es skandalös, wenn ein Minister hier verkündet, ein musischer Unterricht für Kinder aus Hartz-IV-Familien wäre das ‚Überstülpen von Erwartungen des Bildungsbürgertums‘. Das können diese Familien gut selbst entscheiden. Sie müssen vor allem Freiräume erhalten, in denen sich Kinder entfalten können – bestimmt aber nicht immer neue Sozial- und Gängelungsprogramme.“