Landesweit / Montag, 5.Juli.2010

Linke Bildungsoffensive in NRW im Sommerloch verschollen

Die zukünftige Linksregierung in NRW will bei der Bildung zukünftig sparen. Im Wahlkampf hatte sich das noch anders angehört.

Die Bildung sollte unter einer neuen SPD-geführten Landesregierung eine besondere Bedeutung bekommen. Vor allem mehr Geld hatte die designierte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) immer wieder versprochen. Inzwischen scheinen nicht mehr Bildungspolitiker eines der letzten gestaltbaren Politikfelder auf Länderebene zu dominieren, sondern „Haushaltsexperten“. Und für die gibt es, jedenfalls, wenn es sich nicht um politisch korrekt zu fördernde Minderheiten handelt, nur das Motto „Sparen“.

Und so soll also die neue Bildungsoffensive unter Rot-Rot-Grün aussehen: Die Dienstzeiten von Hochschullehrern in NRW sollen ausgeweitet werden, Lehrer von Grundschulen sollen auch an Weiterführenden Schulen Aushilfsdienste leisten müssen. Statt Lehrer einzustellen, wie dies Hannelore Kraft immer wieder gefordert hatte, sollen die verbliebenen nun länger arbeiten. Die Überstunden könnten dann, so der Vorschlag, abgebummelt werden, wenn mal wieder „mehr Luft“ wäre. Da ist der Hinweis der SPD, man würde keine Stellen in diesem Bereich abbauen, nur Makulatur: Denn, wenn keine Lehrkräfte angestellt werden, bedeutet das automatisch einen Abbau.

Der ehemalige Waldorflehrer Andreas Molau (pro NRW) erklärte zu den Sparvorschlägen:

Andreas Molau (pro NRW)

„Der Philologenverband, gewiss kein Klassenkämpferverein, hat zu Recht festgestellt, dass die Lehrer in NRW bereits über dem Limit arbeiten – allzumal die Verstaatlichung des Erziehungswesens ihnen immer mehr Aufgaben zuweist. Der Betreuungstotalitarismus des Staates ist so nicht zu bezahlen. Statt die Betreuung der Unterdreijährigen voranzutreiben, statt die Aufgaben der Schule durch die Schaffung von ganztätigen Vollbetreuungseinrichtungen immer weiter auf die Spitze zu treiben, sollte eine vernünftige Bildungspolitik endlich wieder den klassischen Bildungsauftrag der Schulen ernst nehmen und Bildungseinrichtungen dafür adäquat ausstatten.

Wenn man schon Sparpotentiale aufgreifen will, dann sollte man endlich eine Schlechterstellung von privaten Bildungseinrichtungen beenden. Der völlig aufgeblähte Schulbürokratenapparat verschlingt Unsummen von Geld – Geld, das lieber in den Unterricht und damit effektive Bildungsbemühungen gesteckt werden müsste. Privatschulen machen hier vor, wie man unbürokratischer im Sinne des Kindes arbeiten kann. Eine Einführung der viel diskutierten Bildungsgutscheine würde endlich für mehr Freiheit im Bildungswesen führen. Die Bürger könnten dann selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in staatliche oder private Schulen schicken wollen.

Eine linke Landesregierung bedeutet jedenfalls: Zwangsschulen, Einheitsbildung und nun auch noch Unterversorgung der Bildungseinrichtungen.“