Leichtmatrosen gehen von Bord – Mission erfüllt!
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Leichtmatrosen gehen von Bord – Mission erfüllt!

Rechtsanwalt Markus Beisicht

Interview mit dem PRO NRW-Parteivorsitzenden Markus Beisicht zur geplanten Auflösung von PRO Köln.

Herr Beisicht, wie bewerten Sie die Ankündigung des PRO Köln
Vereinsvorstandes, dass die Bürgerbewegung nach 22 Jahren des Bestehens
aufgelöst werden soll?
Zunächst rate ich allen zu Gelassenheit und einer nüchternen Betrachtungsweise der
Angelegenheit. PRO Köln hatte in der Vergangenheit eine Vorreiterposition im
freiheitlichen Spektrum der Bundesrepublik innegehabt. So wurde bereits im Jahr
2004 mit einem provokanten Wahlkampf in der liberalen Metropole Köln völlig
überraschend den Ratseinzug des Vereins in Fraktionsstärke mit annähernd 5 % der
Stimmen erkämpft.
Es konnte also auch dem politischen Gegner völlig überraschend nachgewiesen
werden, dass eine unverbrauchte politisch inkorrekte freiheitliche Plattform sehr wohl
ein ausreichendes Wählerreservoir ausschöpfen und sich demzufolge überall in
Deutschland parlamentarisch verankern kann. PRO Köln stand damals für einen
politischen seriösen Neuanfang von Rechts, für einen neuen Aufbruch, für Idealismus
und für eine glaubwürdige und konsequente kommunale Opposition wider Filz und
Klüngel in Köln.
Die heutige Situation ist völlig anders. PRO Köln hat die Folgen von
selbstverschuldeten Fehlleistungen und Skandalen nicht überwunden. Der Kölner
Sitzungsgeldskandal war ein epochaler Einschnitt von dessen Folgen sich der Verein
bis zum heutigen Tag nicht erholt hat. Statt sich um der eigenen Glaubwürdigkeit
willen von belasteten und korrumpierten Personen zu trennen, wurden diese in
unverantwortlicher Weise weiter gestützt und gar noch als unschuldig Verfolgte
verteidigt. Hierdurch hat der Verein viel von seiner Glaubwürdigkeit verloren! So dass
nunmehr zu konstatieren ist, dass der Verein sich bis zum heutigen Tage von den
Folgen selbstverschuldeter Skandale nicht hat erholen können. Und dann kommt
dann auch noch die Konkurrenzsituation mit dem neuen Mitbewerber AfD.

Sie können also die Motive für die geplante Selbstauflösung nachvollziehen?
Ist das Projekt PRO Köln also tatsächlich verloren?
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich habe die gegenwärtige Lage des Vereins
einigermaßen realistisch skizziert. Nun haben einige Funktionäre um Markus Wiener
wohl erkannt, dass die parlamentarische Weiterexistenz von PRO Köln nach 2020
akut gefährdet ist und wollen daher in einer Art Kurzschlusshandlung irgendwie noch
krampfhaft auf den neuen erfolgreichen AfD-Zug springen.
Belastete Personen wie Wiener und Co. verkennen aber die Situation. Ähnlich agiert
auch der ehemalige stellvertretende PRO NRW Parteivorsitzende Wolfgang Palm
aus Aachen, der seit Jahren ebenfalls bislang erfolglos versucht auf den AfD-Zug
aufzuspringen.Belastete Personen wie Wiener und Co. verkennen aber, dass sie durch einen
solchen Wechselwunsch der AfD massiv schaden und gegebenenfalls dem
Verfassungsschutz auch ein weiteres Alibi für eine eventuelle Stigmatisierung der
AfD liefern können. Der Tenor wäre die AfD ist die neue Heimat von rechtsextremen
Sitzungsgeldbetrügern.
Wenn diese Personen tatsächlich so überzeugt von der Richtigkeit der Politik der AfD
sind, sollten sie ihre Mandate zurückgeben, sich ein Lebenserwerb außerhalb der
Politik suchen und statt dessen die AfD als Parteilose unterstützen und für die AfD im
vorpolitischen Raum werben.
Ich kritisiere also, dass der Verein PRO Köln vorschnell aufgegeben werden soll, weil
einige wenige Funktionäre möglicherweise berechtigte Zukunftsängste haben. Die
PRO Köln Mitglieder müssen am 15. April auf der Mitgliederversammlung im
Handwerkerhof, Athener Ring 3 a–c, in Köln Chorweiler entscheiden, ob der Verein
noch die Kraft für einen glaubwürdigen Neuanfang hat oder nicht.
Wenn ich durch die Kölner Straßen spaziere, kommen mir sicher viele Gedanken in
den Sinn, aber nicht der Gedanke, dass die Mission erfüllt ist. Die Leichtmatrosen
mögen von Bord gehen. Wer es gut mit der AfD meint, der sollte der AfD empfehlen
diese korrumpierten und belasteten Leichtmatrosen nicht zeitnah aufzunehmen.
Ich werde am 15. April auf der Mitgliederversammlung meine Sicht der Dinge
kundtun und für einen Neuanfang bei PRO Köln plädieren. Sollten die verbliebenen
Mitglieder sich für einen anderen Weg entscheiden, so muss man das als guter
Demokrat natürlich auch akzeptieren.

Wie soll es denn weitergehen mit PRO NRW, wenn nun auch PRO Köln
tatsächlich aufgelöst werden wird?
Für PRO NRW hat die Kölner Posse mittlerweile nur noch wenig Belang. Die
Trennung zwischen PRO Köln und PRO NRW erfolgte bekanntlich im Jahr 2015.
PRO NRW hat sich unter schwierigen Bedingungen finanziell und politisch
konsolidiert. Wir verstehen uns nach wie vor als kommunalpolitische Alternative zu
den verbrauchten Altparteien und bereiten mit Ruhe und Sachlichkeit den
wegweisenden Kommunalwahlkampf 2020 in NRW vor.
Zugleich sind wir für eine Kooperation mit allen freiheitlichen Vereinigungen und
Parteien offen, die sich vom politischen Narrensaum und dem NS-Spektrum
entschieden absetzen.

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