Regional / Mittwoch, 30.Juni.2010

Kreis Oberberg: Störungen in der politischen Farbwahrnehmung

Gudrun Martineau ist Vorsitzende des Vereins „Unser Oberberg ist bunt und nicht braun.“ Wenn man sich jedoch mit politischer Farbenlehre befasst, sollte man wenigstens nicht an Achromasie leiden, also an einer neurologischen Störung der Farbwahrnehmung.

Genau hier scheint aber die Vereinsvorsitzende Defizite zu haben. Auf Einladung einer mittlerweile repräsentativen SPD-Ortsgruppe, AG 60 +, phantasierte Frau Martineau über die angebliche „Situation rechtsextremistischer Strömungen im Oberbergischen.“ Die besorgte Vereinsvorsitzende hatte aufgepasst, und während des letzten Landtagswahlkampfes Plakate von pro NRW gesehen. Diese richteten sich ihrer Ansicht nach gegen den „muslimischen Teil der Bevölkerung“. Für Udo Schäfer (pro NRW) ein typischer Fall politischer Fehlwahrnehmung: „Personen wie Frau Martineau, deren Vereine von Steuergeldern am Leben erhalten werden – denn im wirklichen Leben würde sich niemand für so etwas interessieren – verwechseln schon aus Selbsterhaltungsgründen die Kritik am Islam mit einer pauschalen Schmähung von Muslimen. Der Islam billigt zum Beispiel Zwangsheiraten und Kinderehen. Nach der Logik von Frau Martineau dürfte man dies nun nicht kritisieren. Oder billigt sie selbst so etwas? Für pro NRW steht fest: Gerade die muslimischen Migranten, besonders Kinder und Frauen, sind Opfer dieser inhumanen Religion. Was eine Kritik an diesen Zuständen mit Rechtsextremismus zu tun hat, wird mir nicht klar.“

Die Vereinsvorsitzende kritisierte in ihrem Vortrag überdies, dass der Überfall auf einen Jugendlichen mit jüdischen Wurzeln im Jahr 2008 bei der Bewertung der Lage außer Acht gelassen worden sei. „Gerade bei diesem Fall sollte der Verein ‚Unser Oberberg ist bunt und nicht braun‘ einmal auf die Ursachen schauen. Antisemitismus ist gerade eine Folge der Islamisierung. Synagogen werden in ganz Europa von Islamisten angezündet und nicht von irgendwelchen herbei phantasierten Rechtsextremisten“, erklärte Schäfer. Im Übrigen machte der pro-NRW-Vorsitzende im Kreis Oberberg darauf aufmerksam, dass die Klassifizierung von Opfern in verschiedene Klassen, die durch die Herkunft bestimmt sind, selbst rassistisch sei.

Ein von Links gefordertes Netzwerk gegen Rechts wurde mit den Stimmen von CDU, FDP und pro NRW im Kreistag abgelehnt.