Aktuelles / Dienstag, 27.November.2012

Köln:Gefahren durch Übernahme von Wohnungen und Immobilien durch internationale „Finanz-Heuschrecken“

Dieses Thema könnte einen Teil der Kölner Bevölkerung demnächst betreffen. In Chorweiler werden im Januar 1.199 Wohnungen nach der Pleite einer privaten Immobilienfirma zwangsversteigert. Die TALOS-Gruppe hat schon Interesse angemeldet, die Stadt Köln möchte in das Wettbieten mit einem eigenen Konsortium einsteigen.

Seit 1999 haben verschiedene Hedge- und Immobilienfonds in Deutschland rund 1,6 Millionen Wohnungen erworben. Besonders viele Wohnungen, die früher kommunalen Genossenschaften gehört haben, sind unter Rot-Grün verkauft worden. Das Vorgehen sämtlicher Fonds ist dabei gleich: Die Immobilien werden weder saniert, noch wird sich darum gekümmert, einzig die Miete wird regelmäßig erhöht. Der Staat schaut bisher tatenlos zu, obwohl in vielen dieser Wohnungen Menschen leben, die staatliche Leistungen in Anspruch nehmen.

Zurzeit zahlt der Staat im Monat 1,1 Milliarden Euro Wohngeld. Der große Teil geht an eben jene Fonds. Und gerade in diesen Wohnungen ist oftmals kein würdiges Leben möglich. Kaputte Heizkörper, starker Schimmelbefall, alte Elektroleitungen sind leider nicht die Ausnahme, sondern werden immer mehr zur Regel. Der Staat hätte die Möglichkeit, über den Gesetzesweg die „Immobilien-Heuschrecken“ zu zwingen, die Objekte zu sanieren. Über Mietminderung wäre dies zusätzlich möglich, so könnte auch noch Steuergeld gespart werden. Der Leittragende ist mal wieder der Bürger, der zum Spielball degradiert wird.

Vor einigen Jahren feiert Dresden den Verkauf von 37.000 stadteigenen Wohnungen an die Gagfah, einem ehemaligen Tochterunternehmen der Deutschen Rentenversicherung. Mittlerweile gehört die Gagfah dem internationalen Immobilienfonds Fortress. Dieser interessiert sich aber nur für die Rendite und erhöht regelmäßig die Preise. In Bonn oder Wuppertal lassen sich die Gagfah-Objekte betrachten. Sie sind zum Teil in einem katastrophalen Zustand. Köln-Chorweiler droht ähnliches.

Hier möchte die TALOS-Gruppe die 1.199 Wohnungen ersteigern. 2009 erwarb man 17 Objekte im Kölner Veedel Finkenberg. Der Zustand hat sich leider dramatisch verschlechtert, im Gegenzug sind die Mieten aber stark angestiegen. Ganze Straßenzüge von Chorweiler drohen bei einem Zuschlag an die TALOS-Gruppe zu einem Slum zu verkommen. Schon jetzt ist die Mängelliste der Wohnungen besorgniserregend lang, sie droht aber noch länger zu werden.

Das Vorhaben der Stadt ist grundsätzlich richtig und begrüßenswert, aber leider ist nach jahrzehntelangem Missmanagement der städtischen Finanzen keinerlei Spielraum dafür vorhanden. Der Kaufpreis der Wohnungen in Chorweiler wird auf etwa 38 Millionen Euro beziffert. Dieses Geld fehlt allein schon, es dürften noch weitere Millionen Euro für die Instandsetzung der Wohnungen benötigt werden. Hätten nicht kostspielige Klüngel-Skandale wie der Bau der Messehallen oder der Lanxessarena stattgefunden, hätte die Stadt einen größeren finanziellen Handlungsspielraum. So sind ihr aufgrund des eigenen Unvermögens die Hände gebunden!