Aktuelles / Mittwoch, 18.Juli.2012

Köln: Warum wir Köln trotz allem lieben!

Judith Wolter

Liebe Kölnerinnen und Kölner!

Köln ist mehr als nur der Dom, Kölsch oder der Rosenmontagsumzug. Köln ist es etwas ganz besonderes. Durch die besondere Geschichte unserer Rheinmetropole haben sich einzigartige gesellschaftliche Strukturen herausgebildet, die die „Kölsche Vita“ ausmachen.

Die Ursprünge von Köln liegen im Römischen Reich und den damit interagierenden germanischen Stämmen. Der Stamm der Ubier wurde noch vor Christi Geburt unter römischer Schirmherrschaft auf dem heutigen Stadtgebiet angesiedelt. Durch die Ernennung zur Provinzhauptstadt erlangte die damalige Stadt „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ später eine besondere Stellung im Römischen Reich. Spuren aus dieser Zeit sind bis heute überall in der Innenstadt sichtbar, etwa am Römerturm, rund ums Rathaus, unterirdisch im Prätorium, der Hohen Straße oder der Schildergasse.

Im Frühmittelalter entwickelte Köln diese Stellung weiter und war eine der bedeutendsten Städte Europas. In der Stadtgesellschaft vermischten sich während dieser Zeit romanische mit fränkischen Einflüssen. Beide Seite brachten kulturelle Errungenschaften mit sich und sorgten dafür, dass sich in Köln etwas einmaliges in Deutschland entwickelte.

In die gleiche Zeit fallen eine Vielzahl von Stiftsgründungen im gesamten Stadtgebiet. Durch politisch klug handelnde Bischöfe, sowie die guten Beziehungen zum Byzantinischen Reich, sorgten dafür, dass sich Köln zu einem kulturell-geistlichen Zentrum in Europa entwickelte.

Während des Mittelalters entwickelte sich Köln zur größten Stadt im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Neben den schon damaligen Metropolen Paris und Rom, sowie Konstantinopel und Jerusalem, verfügte Köln über eine der größten Stadtbefestigungen der damaligen Zeit. Der Name zu jener Zeit lautete „Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia – Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter“. Noch heute heißt Köln umgangssprachlich „et hillije Kölle“ und „Colonia“. In diesem Abschnitt der Stadthistorie fällt auch die Grundsteinlegung des Kölner Doms.

1475 wurde Köln zur Freien Reichsstadt ernannt. In jene Zeit fallen auch die Auseinandersetzungen zwischen den Kölner Bürgern, den Patriziern sowie des Erzbischofs. Resultat aus dieser Zeit war, dass ab 1396 die sog. „Gaffeln“ die politische Macht in der Reichsstadt übernahmen. Diese waren ein Zusammenschluss mehrerer Zünfte. Bis zur Besetzung durch die Franzosen im Jahr 1794 behielten sie diese Stellung. Dies ist einer der Ursprünge für das selbstbewusste Kölner Bürgertum, aber auch den sog. „Kölner Klüngel“.

1794 wurde Köln durch Truppen von Napoleon kampflos besetzt. Im Zuge der französischen Besatzung wurden einige Reformen in der Stadt durchgeführt. Die „Gaffeln“ wurden abgesetzt, eine liberale Gesetzgebung wie der „Code zivil“ eingeführt und Katholiken, Juden und Protestanten rechtlich gleichgestellt. Dennoch war die Zeit Napoleons von Unfreiheit, Bevormundung und Krieg geprägt.

Nach den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 wurde Köln sowie das Rheinland auf dem Wiener Kongreß Preußen zugesprochen. Dies hatte wiederum einige Veränderungen und manche preussische Einflüsse zur Folge. Bis 1919 wurde der Stadtname mit C am Anfang geschrieben. Zudem wurden die Stadtbefestigungen erweitert und es wurde mit dem Bau der Neustadt begonnen. Dadurch sind spätere Eingemeindungen möglich gemacht worden.

In der Aufbruchsstimmung des neuen deutschen Kaiserreichs wurde 1880 der Bau des Kölner Doms – nach einer Bauzeit von 632 Jahren – als gesamtdeutsche Aufgabe endlich fertig gestellt. Aber wegen der Jahrhunderte andauernden Bauzeit ist der Kölner Dom nie wirklich fertig. Heinrich Heine schrieb hierzu:

„Er ward nicht vollendet – und das ist gut. – Denn eben die Nichtvollendung – Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft – Und protestantischer Sendung.“

Im Ersten Weltkrieg blieb Köln, anders als im Zweiten, von Angriffen verschont. 1917 wurde Konrad Adenauer Oberbürgermeister der Stadt und führte Köln durch die Wirtschaftskrisen von 1923 und 1929. In diese Zeit fällt auch die Ansiedlung der Ford-Werke nach Köln, dem damals größten Arbeitgeber der Stadt.

Köln kann auf etwas sehr stolz sein. Während in der ganzen Weimarer Republik, wie bei den Wahlen zum Reichstag 1933 bspw., die NSDAP stärkste Kraft wurde, hatten sie in Köln weniger als 20% der Stimmen. Dies zeigt, dass die Kölner auch in schwierigen Zeiten auf bürgerliche und nicht radikale Kräfte vertrauen!

Die Zeit während des Nationalsozialismus verlief ähnlich wie im gesamten Deutschen Reich. Die Zeit war geprägt von der Verfolgung von Juden, politisch Andersdenkenden und ungewollten Personen. Köln hatte auch viele Bombenangriffe zu ertragen. Die Innenstadt war zu etwa 90% zerstört, die Bevölkerungszahlen sanken von 800.000 auf etwa 490.000. Etwa 8.000 Kölner Juden wurden von den Nazis ermordet.

Nach dem Krieg erholte sich Köln rasch und erreichte 1959 die Vorkriegseinwohnerzahl. Der Wiederauf- und Ausbau ging zügig voran. 1976 konnte Köln zum ersten Mal die Millionen Grenze bei den Einwohnern knacken.

Köln hat aber durch Kriege und selbst verschuldete Schwierigkeiten viel von seinem einstigen Glanz verloren. Das Köln im Jahr 2012 ist vielfach geprägt von Endlos-Baustellen, hässlichen Ecken in der Innenstadt, Schmutz und Vermüllung, Gewalt in Bus und Bahnen oder eben durch Korruption in der Stadtpolitik.

Dabei kann unser Köln so viel mehr. Das hat unsere stolze Stadt in seiner nunmehr bereits über 2000jährigen Geschichte bewiesen. Es muss wieder seinen rechtmäßigen Platz als geistiges und kulturelles Zentrum in Deutschland einnehmen. Als strahlende und herausgeputzte Metropole im Herzen des christlichen Abendlandes. Dies kann aber nur mittels eines grundlegenden Wechsels in der Mentalität der Stadtpolitik und ihrer Eliten geschehen. Köln ist etwas besonderes, wenn wir die Geschichte betrachten. Die Anlagen und die Menschen dazu sind immer noch vorhanden. Ein pfiffiges und selbstbewusstes Bürgertum, fleissige Menschen mit vielfältigen Wurzeln und einer gemeinsamen Identität als Kölner, egal ob seit Jahrhunderten verwurzelt in der Stadt oder als „Immi“. Viele Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte zu uns gekommen sind, sind gerne hier geblieben und haben sich als echte Kölner und auch als Deutsche integriert bzw. sogar assimiliert. Diese Menschen waren und sind eine Bereicherung für unsere Stadt!

Köln muss auch mit ihrer Hilfe wieder die Vorreiterrolle in Sachen politischer, kultureller und gesellschaftlicher Erneuerung in Deutschland einnehmen. Diese findet aber nicht Veruntreuung von Steuergeldern, Ausklüngeln von Posten oder orientalische Protzbauten wie in Ehrenfeld statt, sondern mit dem Vorleben von bestimmten Werten und Tugenden. Kölner Pfiffigkeit und ein unverkrampfter deutscher Patriotismus können diese Stadt wieder zur alten Blüte führen. Damit wir alle wieder uneingeschränkt stolz sein können auf „Mutter Colonia“.

Denn unser Herz schlägt für Köln!

Ihre Judith Wolter

Vorsitzende der Fraktion PRO KÖLN im Rat der Stadt Köln