Regional / Mittwoch, 25.August.2010

Köln: Zoobrücke einsturzgefährdet?

Aufregung um eine der wichtigsten Kölner Verkehrsadern, die Zoobrücke, über die täglich rund 100.000 Fahrzeuge rollen: In einer überraschend anberaumten Krisensitzung informierte Stadtdirektor Kahlen heute Nachmittag die Vertreter der Stadtratsfraktionen, dass verschiedene Zubringer und Auffahrten der Zoobrücke evtl. einsturzgefährdet sein könnten.

Deshalb müssten in Kürze gravierende Einschränkungen des Verkehrs auf der Zoobrücke angeordnet werden: Die Notmaßnahmen reichen von einer Geschwindigkeitsbeschränkung für alle Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen bis hin zu einem völligen Brückenverbot für den Schwerlastverkehr. Dadurch sollten die Stahlkonstruktionen der Brücke entlastet werden, bis genaue Untersuchungen ein näheres Bild ergeben hätten.

In jedem Fall sei mit langfristigen, mehrjährigen Nutzungseinschränkungen auf der Brücke zu rechnen. Doch zu dem tatsächlichen ob und wie der Schäden in der Spannstahlkonstruktion konnte die Verwaltung bis dato noch gar nichts im Detail sagen, da Risse oder Ermüdungserscheinungen im Inneren von außen am Betonmantel nicht genau ersichtlich wären.

pro-Köln-Fraktionsgeschäftsführer Markus Wiener

„Köln droht das nächste verkehrspolitisches Fiasko“, erklärt dazu ein erschütterter Pro-Köln-Fraktionsgeschäftsführer Markus Wiener, der für die oppositionelle Bürgerbewegung an der Krisensitzung teilgenommen hat. „Bereits nach wenigen Jahrzehnten Nutzung sehen wir uns aufgrund einer ungeklärten Spannstahlproblematik – vermutlich aufgrund mangelhafter Materialien – einem zig Millionen Euro teuren Fiasko gegenüber. Nach dem Stadtarchiveinsturz drohen der Stadt Köln bei einer ohnehin schon desolaten Kassenlage erneut Mehrausgaben in Höhe von zig Millionen Euro.

Daneben sind auch die Informationspolitik und das Krisenmanagment der Stadtspitze scharf zu kritisieren: Obwohl bereits seit geraumer Zeit Gutachter an dem Fall arbeiteten, wurden die Ratsfraktionen und Fachausschüsse bis heute mit keiner Silbe über die Problematik informiert. Erst 45 Minuten vor der heutigen Sitzung erreichte die Fraktion pro Köln eine telefonische Einladung ‚in Sachen Zoobrücke‘. Dieses sich völlige überstürzende Lage und eine in diesem Moment stattfindende Pressekonferenz der Stadt Köln sind zudem nur einer undichten Stelle in der Stadtverwaltung zu verdanken, durch die Gerüchte bzgl. der Zoobrücke nach außen drangen. Wer weiß wirklich, wann die Öffentlichkeit sonst endlich von der ‚Geheimsache Zoobrücke‘ erfahren hätte?

Die Fraktion pro Köln wird diese Angelegenheit ab sofort zur Chefsache machen und für größtmögliche Transparenz gegenüber der Bevölkerung in- und außerhalb Kölns kämpfen. Zumindest darauf haben die Bürger ein Anrecht“, so Wiener abschließend.

Fakten zur Zoobrücke (zitiert nach Wikipedia):

Die Zoobrücke ist weltweit die am weitesten gespannte Kastenträgerbrücke mit nur einem einzigen Hauptlager. Der Brückenpfeiler steht asymmetrisch nahe dem rechtsrheinischen Ufer. Von dort überspannt der Brückenkörper 259 Meter bis zu den beiden schlanken Stützen auf der unteren linksrheinischen Uferpromenade.

1965 wurde das Schlussstück eingesetzt und am 22. November 1966 die Zoobrücke mit dem ersten Autobahnteilstück offiziell eingeweiht. Erst 1975 wurde linksrheinisch die Nord-Süd-Fahrt in die Innenstadt an die Brücke angebunden.

Die Zoobrücke kostete etwa 34 Millionen DM. Die Länge der Stahlkonstruktion beträgt 597 Meter bei einer Breite von 33 Metern.