Aktuelles / Mittwoch, 30.Mai.2012

Köln: Es gab auch deutsche Opfer und fremde Täter

In der Nacht vom 30. auf 31. Mai 1942 starteten erstmals über 1000 britische Bomber gleichzeitig zu einem Angriff auf eine deutsche Stadt. Das Ziel war Köln, wo es vor allem eine arglose Zivilbevölkerung traf. Denn die Domstadt war nicht Zielort dieses nächtlichen Angriffs, „weil es ein bedeutender Standort mit Rüstungsbetrieben war, mit seinen Eisenbahnanlagen und Rheinschiffen strategisch wichtig“, wie der Kölner Stadt-Anzeiger heute rechtfertigend schreibt. Gerade die Strategie der überwiegend nächtlichen britischen Luftangriffe auf deutsche Städte im 2. Weltkrieg war nämlich eine ganz andere: „moral bombing“ war der offizielle Name für das nächtliche Grauen, mit der gezielt die Wohnqartiere und Innenstädte vernichtet und die Moral der Zivilbevölkerung durch regelrechte Terrorangriffe gebrochen werden sollte. Das war auch der Grund für die hohe Zahl an Brandbomben, mit denen mörderische Flächenbrände entfacht werden sollten. Eine Methode, die später in den Feuerstürmen von Hamburg und Dresden mit zehntausenden Toten zur menschenverachtenden Perfektion gebracht wurde.

Dies zu schreben, gilt als politisch unkorrekt, auch wenn die Tatsachen unter Historikern längst unstrittig sind. Denn ein Dogma des Zeitgeistes lautet schließlich, dass es im 20. Jahrhundert nur deutsche Täter und fremde Opfer gegeben hat. Ein Dogma, das immer noch zur Durchsetzung aktueller politischer Ziele genutzt wird, indem wirtschaftlich oder politisch ungünstige Entscheidungen für unser Land moralisch „aufgrund unserer Vergangenheit“ begründet werden. Ein Mechanismus, den auch Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch zum Euro erwähnt.

Fakt ist aber entgegen den Dogmen des Zeitgeistes: Es gab auch deutsche Opfer und fremde Täter. Und das hat nichts mit Aufrechnen oder Relativieren zu tun, sondern ausschließlich mit historischer Ehrlichkeit und Respekt gegenüber denToten und Überlebenden.

P.S: Eine Ausstellung zum Thema, wie z.B. im Landgericht Köln oder im Stadtmuseum, wird es im Rathaus leider nicht geben. Ein diesbezüglicher Antrag der Fraktion PRO KÖLN wurde von allen anderen Fraktionen – inklusive CDU und FDP – abgelehnt.