Aktuelles / Mittwoch, 22.Mai.2013

Inklusion – die schleichende Gleichmacherei auch in der Schule

Kinder mit Behinderungen, ob körperlich oder geistig bedingt, oder mit erwiesenen Lernschwächen, dürfen gesellschaftlich nicht ausgegrenzt werden. Diese Ansicht hat sich erfreulicherweise zunehmend durchgesetzt, denn den Wert einer Gesellschaft kann man auch am Umgang mit seinen Toten, Kranken, Behinderten und Schwachen messen.

So gilt seit 2009 auch in Deutschland die Uno-Konvention für Behindertenrechte. Kein Kind soll wegen körperlicher oder geistiger Schwächen von einer Regelschule ausgeschlossen werden. Alle Schüler sollen gemeinsam lernen, sich helfen und fördern. Betreffen würde dies in Deutschland etwa eine halbe Million Schulpflichtige, wovon bislang lediglich rund 110.000 eine reguläre Schule besuchen. So macht jüngst im Schulbereich das Wort „Inklusion“ von sich reden: Was sich vernünftig anhört, entpuppt sich bei näherem Hinsehen allerdings als altbekannte linke Utopie.

Wenn ab 2014 das neue nordrhein-westfälische Schulgesetz greift, können Behinderte und Lernschwache nämlich auf Wunsch einen Platz in einer Regelschule erhalten. Die Stadt Gelsenkirchen stellt das vor große organisatorische und finanzielle Herausforderungen, denn das Auslaufen der bisherigen Förderschulen (ehemals Sonderschulen) muß organisiert werden und ebenso das Eingliedern in das reguläre dreigliedrige Schulsystem (Haupt-, Realschule, Gymnasium sowie Gesamtschule). Bereits ab August dieses Jahres soll der „Gemeinsame Unterricht“ (GU) auch in Gelsenkirchen stärker ausgebaut sein, der bereits jetzt von sechs Grundschulen praktiziert wird.

„Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Die Fehler, die seinerzeit bei der Gesamtschule gemacht wurden, drohen sich beim Thema Inklusion zu wiederholen“, bewertet Kevin Hauer, Gelsenkirchener Stadtverordneter von PRO NRW, die aktuelle Diskussion überaus kritisch. „Jahrzehntelang haben uns die Befürworter der Gesamtschulen, vor allem aus SPD und Grünen, weisgemacht, daß das gemeinsame Unterrichten von lernschwachen sowie lernstarken Schülern dazu führt, daß die Schwachen stärker gefördert werden. Mittlerweile beweisen Dutzende von wissenschaftlichen Studien das Gegenteil. Die Guten werden ausgebremst“, empört er sich weiter.

So bekennt sich PRO NRW ausdrücklich zum Leistungsprinzip, das bereits auch in der Schule greifen muß. Möglichst homogene Lerngruppen fördern Schüler nachweislich weitaus intensiver, als Lerngruppen mit einer großen Spannbreite an Lernbereitschaft und auch Lernfähigkeit. Durch Inklusion besteht allerdings erneut die Gefahr, daß es innerhalb von Schulklassen zu einem stärkeren Bildungsgefälle kommt und Lernstarke nicht ausreichend gefordert werden.

„Hinter vorgehaltener Hand erzählen Lehrer deutlich, was sie davon halten, trauen sich dies aber nicht offen zu sagen, um nicht als behindertenfeindlich stigmatisiert zu werden. Kein Wunder, daß die Lehrerverbände sich hinter Forderungen nach Klassendoppelbesetzungen, kleineren Klassen und besserer Ausstattung verstecken. Aber wer soll das bezahlen“, fragt sich Hauer und erinnert daran, daß der diesbezügliche nordrhein-westfälische Gesetzesentwurf für gemeinsamen Unterricht ab 2013 im vergangenen Dezember nach heftigen Protesten von Eltern, Lehrern und Kommunen gekippt werden mußte.

„Das Land und die Kommunen streiten sich darüber, wer die Kosten für Inklusion zahlen soll. Das ist scheinheilig! Wir von PRO NRW sprechen uns schon aus rein pädagogischen Gründen gegen Inklusion aus. Behinderte gehören selbstverständlich gesellschaftlich integriert, aber nicht in Regelschulen, in denen sich der Lehrer dann nicht mehr um die Förderung von lernstarken Schülern kümmern kann, sondern sich Lernschwachen widmen muß. Das kann ein Land wie Deutschland, das seine Stärke durch Know-how schöpft, empfindlich treffen. Unser noch gutes Bildungsniveau darf nicht linken gleichmacherischen Zielen geopfert werden“, schließ der Gelsenkirchener Stadtverordnete Hauer.