Aktuelles / Mittwoch, 28.September.2011

Herten: Linke-Vorsitzende wendet sich mit offenen Brief an PRO NRW

Im Nachgang an die äußerst erfolgreiche PRO-NRW-Demo gegen die geplante DITIB-Großmoschee in Herten-Langenbochum, hat sich die Stadtverbandsvorsitzende der Linken, Merle Lindemann, via Hertener Zeitung in einem offenen Brief an den PRO-NRW-Kreisvorsitzenden Werner Peters gewandt. In durchaus verbindlichem Ton sucht die linke Politikerin offenbar den Dialog mit PRO NRW – eine positive Abwechslung zu den stupiden Ausgrenzungsbemühungen der Altparteien, die jedem Gespräch mit der politischen Opposition von PRO NRW aus dem Weg zu gehen versuchen. Merle Lindemann versucht dagegen zumindest eine mitteleuropäische Umgangsform, wenn auch ihr Brief mit Halbwahrheiten und Unterstellungen gespickt ist – u.a. echauffiert sich die Linksaußen-Lokalpolitikerin über angeblich zu hohe Teilnehmerzahlen und eine schlechte Berichterstattung über linke Gegendemonstranten auf der PRO-NRW-Internetseite. Trotzdem wollen wir aus Fairnessgründen den ganzen offenen Brief, so wie in der Hertener Zeitung abgedruckt, auch hier wiedergeben:

Sehr geehrter Herr Peters,

Sie werden relativ problemlos feststellen können, dass es sich bei meiner Person um die Vorsitzende des Stadtverbandes DieLinke in Herten handelt, dennoch bitte ich Sie, diese Tatsache so weit es Ihnen möglich ist in Bezug auf diesen Brief zu ignorieren und zu versuchen, mich als Privatperson wahrzunehmen. Und da ich in keiner Weise vorhabe, hier die sogenannte Nazi-Keule zu schwingen, bitte ich Sie ebenfalls, im Gegenzug darauf zu verzichten, mich in das ideologische Korsett einer Verteidigerin der SED-Diktatur zu stecken.

Wie Sie bestimmt ahnen, war ich am 17.09.2011 im Rahmen des Bündnis für Demokratie aktiv an der Gegenaktion beteiligt und habe mir selbstverständlich auch die Nachbetrachtung des Pro-NRW-Protestes auf Ihrer Webpräsenz zu Gemüte geführt und bei allen unterschiedlichen Ansichten darüber, wie Demokratie gelebt werden sollte und bei allen Vorbehalten, die ich zweifellos gegen Sie und Ihre Bürgerbewegung haben mag: Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass Lügen dazugehören. Sie sprechen von rund 150 Teilnehmern, davon zahlreiche Hertener Anwohner.

Nun, darüber, was zahlreich bedeuten kann, kann man sicherlich geteilter Meinung sein (Niemand, mit dem ich sprach, konnte mehr als maximal 15 Hertener identifizieren!), aber Ihre Zahl kann weder über offizielle, noch über inoffizielle Stellen, selbst über jene, die Ihnen wohlwollend gegenüberstehen, bestätigt werden.

Auch Ihre eigenen Fotos und Videos können diese Zahl nicht im Geringsten stützen und in Anbetracht der Tatsache, dass keine andere Stelle auch nur ansatzweise auf diese Zahl (ich glaube, die höchste Zahl, die mir zugetragen wurde, lag bei 80) kommt, kann man 150 einfach nicht mehr als bloße Beschönigung bezeichnen. Es erscheint mir darüber hinaus extrem seltsam, dass das Bündnis für Demokratie zwar in Ihren Mobilisierungsaufrufen deutliche Erwähnung findet, in Ihrer Nachbetrachtung jedoch ignoriert bzw. bewusst falsch dargestellt wird. Verstehen Sie mich nicht falsch. Dass Sie politische Gegner nicht namentlich oder gar positiv erwähnen, ist Ihr gutes Recht, zumal es unsere eigene Aufgabe ist. Aber wenn Sie schon die Gegendemonstranten erwähnen, dann bleiben Sie doch bitte bei der Wahrheit. Ich denke nicht, dass es sich Ihrer Kenntnis entzieht, dass es weit mehr Gegendemonstranten gegeben hat als diejenigen versprengen Linksextremisten, die Ihrem Zug gefolgt sind und Ihren Gesang gestört haben. Falls es Ihnen nicht bekannt war: Es lag niemals im Interesse dieser Gegendemonstranten, Ihren Aufmarsch oder das Gehör der Hertener Bürger zu verhindern, sondern darin zu zeigen, dass wir eine Alternative zu Ihrem Weltbild anzubieten haben.

Hierzu erklärt nun der PRO-NRW-Kreisvorsitzende Werner Peters:

Werner Peters

„Liebe Frau Lindemann,

wenn Sie keine anderen Probleme mit uns haben, als die Frage, ob nun 80, 100 oder 150 Demonstranten durch Langenbochum gezogen sind, dann bin ich beruhigt. Etwas weniger Verständnis habe ich allerdings für Ihre Behauptung, dass Sie nur wenige Hertener Bürger darunter „identifiziert“ hätten. Ich glaube kaum, dass Sie alle Hertener Bürger persönlich kennen und dass es in einer Demokratie üblich ist, einzelne Demonstrationsteilnehmer „identifizieren“ zu wollen. Die Zeiten, in denen Demonstrieren verboten war, sind zum Glück in ganz Deutschland  seit 1989 endgültig vorbei!

Im Übrigen haben wir uns in unserer Berichterstattung auf die wenigen linksextremen Störer und aggressiven jugendlichen Migranten direkt am Rande des Demonstrationweges von PRO NRW bezogen. Von Ihrer wohl recht überschaubaren Gegendkundgebung haben wir und die meisten Anwohner dagegen rein gar nichts mitbekommen …

Trotzdem finde ich es positiv, dass Sie ausdrücklich auf das Schwingen der „Nazikeule“ gegen PRO NRW verzichten wollen. Nichts wäre auch abwegiger als der unsägliche Nazivorwurf gegen unsere nonkonforme Bürgerbewegung. Denn PRO NRW ist nur in einem Punkt radikal: In der Abwehr des Extremismus von rechts und links!

Ich hoffe, dass sich auch die anderen Parteien in Herten und im ganzen Kreis Recklinghausen bald Ihrer Haltung anschließen und die undemokratische Gesprächsverweigerung gegenüber PRO NRW beenden.“