Aktuelles / Freitag, 5.Juli.2013

GEW: Schulfrieden wegen Türkischunterricht in Gefahr?

Etwa 50.000 Schüler an weit über 800 Schulen lernen im Schuljahr 2012/2013 in Nordrhein-Westfalen Türkisch im Rahmen des sogenannten „herkunftssprachlichen Unterrichts“. Mit anderen Worten: 50.000 türkische Kinder werden in unserem Bundesland in ihrer Geschichte und Sprache unterrichtet. In Zeiten von Multikulti ist das eine Selbstverständlichkeit, dafür haben Parteien und Organisationen wie beispielsweise die Gewerkschaften seit Jahrzehnten gekämpft. Unterrichtsmaterialien werden überwiegend von türkischen Konsulaten und damit vom türkischen Staat zur Verfügung gestellt. Daran hat sich bislang niemand gestört.

Nun ist aber eine Diskussion über Sprach-Lehrbücher aufgekommen, und – man höre und staune – auch die Lehrergewerkschaft GEW, ansonsten stets absolute Verfechterin von Multikulti, kritisiert zunehmend das Bild der Türkei, das in den Lehrmaterialien vermittelt wird. Das Türkentum werde darin nämlich „verherrlicht und dunkle Kapitel der türkischen Geschichte unterschlagen“, zitiert die WAZ die GEW. Die Bücherreihe gefährde den Schulfrieden und die Freiheit des Unterrichts, heißt es bei den Gewerkschaftern. Noch schlimmer, und das dürfte der wahre Grund des Entsetzens bei der GEW sein: „Die Integration der Türkischstämmigen sei gefährdet, da die Integration durchgehend abgelehnt werde“.

Im Kern geht es also um die Frage, welcher Kultur sich Menschen in NRW mit türkischen Wurzeln zugehörig fühlen sollen. Der Gewerkschaft mißfällt es offensichtlich, daß in den türkischen Büchern Nationalstolz gelehrt wird. Von „Geschlechterdemokratie“ und „interkultureller Öffnung“ ist dagegen nirgendwo die Rede. Beschworen werde stattdessen ein „heroischer Mythos vom heldenhaften Türkentum“ und eine
Glorifizierung Atatürks.

„Es rächt sich hier bitter, daß uns Deutschen jahrzehntelang eingeredet wurde, man dürfe auf unsere Nation nicht stolz sein. Ein solches Selbstverständnis ist weltweit einmalig. Andere Länder, andere Sitten, heißt es da zutreffend! Es ist nicht verwunderlich, daß Unterlagen, deren Inhalte vom türkischen Staat vorgegeben werden, eine inhaltlich völlig andere Zielsetzung verfolgen, als es deutsche Schulbücher tun. Der türkische Ministerpräsident Erdogan, bis vor kurzem politisch von der bundesrepublikanischen Etabliertenkaste stets gehätschelt und getätschelt und erst seit der Niederschlagung der friedliebenden Demonstranten in Istanbul Zielscheibe auch von deutscher Kritik, hat immer betont, daß er erwartet, daß seine in der BRD lebenden Landsleute sich nicht integrieren sollen“, bewertet der stv. PRO NRW-Vorsitzende und Gelsenkirchener Stadtrat Kevin Hauer die Aufregung um den Schulfrieden kritisch. „Es ist scheinheilig, was die Multikulti-Befürworter nun von sich geben. Sind die erst jetzt wachgeworden? Es gibt doch schon lange gesellschaftliche Parallelgesellschaften in ganz NRW. In Gelsenkirchen kann man doch mancherorts völlig abgeschieden in einem solchen türkischen Subsystem leben ohne Kontakt zur deutschen Bevölkerung zu haben. Und das wird vom türkischen Staat auch noch gefördert“, ist sich Hauer sicher.

Die durch die Schulbücher aufgekommene Diskussion wertet die Fraktion PRO NRW auch für Gelsenkirchen als fadenscheinig. „Die Diskussion muß weit vorher ansetzen. Ist die Integration überhaupt gewünscht und welche Schlußfolgerungen für das Zusammenleben müssen gezogen werden, wenn die in der Bundesrepublik lebenden Türkischstämmigen sich ohnehin nicht integrieren wollen“, fragt sich Kevin Hauer.