Aktuelles / Montag, 18.Oktober.2010

„Es gibt in der Schulpolitik keine substanziellen Unterschiede mehr zwischen Grün-Rot und CDU!“

pro-nrw.net im Gespräch mit dem bildungspolitischen Sprecher von pro NRW, dem ehemaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten und Pädagogen Torsten Lange:

pro-nrw.net: pro NRW sieht Schulpolitik als Marktlücke. Würden Sie dieser Aussage so zustimmen?

Torsten Lange: Wer gehofft hatte, dass nach den rot-grünen Chaosjahren mit der CDU/FDP -Koalition unter Rüttgers endlich Ruhe in die schulpolitischen Experimentierlabors der letzten Jahrzehnte einkehren würde, musste maßlos enttäuscht sein. Der Mangel wurde nicht nur verwaltet, sondern  – siehe die G 8-Schulzeitverkürzung – vertieft; und dafür musste die CDU büßen.

Das Thema Schule betrifft fast alle Menschen in unserem Bundesland hautnah; insofern ist es – unabhängig davon, dass es ein klassisch landespolitisches Segment ist – für pro NRW unabdingbar, sich hier mit klaren Konturen einzubringen.
 
pro-nrw.net: Wir beurteilen Sie die Sozialdemokratisierung der CDU in der Schulpolitik?

Torsten Lange, Ex-Bundestagsabgeordneter der Grünen und bildungspolitischer Sprecher der Bürgerbewegung pro NRW

Torsten Lange: Es handelt sich hierbei wohl eher um ein Ergrünen der CDU, wobei wir uns ohnehin daran gewöhnen sollten, dass wir es in den Bereichen des ideologischen Überbaus eher mit Grün-Rot als mit Rot-Grün zu tun haben werden. Die CDU definiert ihre Inhalte nicht erst seit heute ausschließlich über die Machtfrage, d.h. sie sieht ihre Gestaltungsperspektive künftig primär mit den Grünen. Dabei wirft sie Ballast ab, indem sie beispielsweise in der Schulstrukturfrage  – an der sie  nie ernsthaft und kompetent Interesse hatte – nicht nur den Grünen nachgibt, sondern sich ihnen in die Arme wirft. Generalsekretär Krautscheid sagte im Interview mit dem General-Anzeiger vom 16.10.2010 wörtlich: „Wir wollen einen Schulfrieden mit der Landesregierung…“, und „Es wird am Ende ein Schulsystem geben müssen, bei dem die Eltern die Auswahlmöglichkeit haben.“ Wer sich tiefer in seine Gedanken hineinliest wird feststellen: Es gibt in der Schulpolitik keine substanziellen Unterschiede mehr zwischen Grün-Rot und CDU!

pro-nrw.net: Wie kann pro NRW sich aus Ihrer Sicht in dieser wichtigen Frage profilieren?

Torsten Lange: Wir müssen das Anpassungsverhalten der CDU entlarven und gleichzeitig den Ideologieschleier von Grün-Rot zerreißen. Die Schwäche der Hauptschule liegt nicht in ihrem Vorhandensein, sondern in der Tatsache, dass in sie junge Menschen aus bildungsfernen Schichten und  fremden Kulturen hineingepumpt wurden, welche kaum Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt hatten und haben.

Die Tatsache, dass in den letzten 30 Jahren trotz Verdreifachung der Zahl von Einwanderern deren Anteil auf dem Arbeitsmarkt  konstant geblieben ist, muss logischerweise auf die Schulen zurückschlagen. Insofern ist es folgerichtig , dass die Hauptschule zur „Restschule“ wurde und als erste auf dem Altar einer völlig verfehlten Einwanderungspolitik geopfert werden soll. Danach sollen Realschulen und Gymnasien fallen, indem sie in eine „Gemeinschaftsschule“ übergeführt und damit faktisch aufgelöst werden. Dass man nun dem Elternwillen als Entscheidungsfaktor gerecht werden will, klingt demokratisch, unterschlägt jedoch die politische Zielführung, wenn man sieht, wohin die von der Landesregierung bereit gestellten Gelder fließen sollen: in die Einheitsschule!

Der Kritik , dass gemeinsames Lernen die leistungsstarken Schüler benachteiligten, begegnet die grüne Schulministerin mit Rabulistik: schließlich würden ja die Besseren davon profitieren, wenn sie den Schlechteren helfen, weil ihre soziale Kompetenz gefördert und ihr Wissen gefestigt würde.