Regional / Dienstag, 3.August.2010

Duisburg: Adolf Sauerland – trotz 21 Toten die Pension fest im Blick

Eines muss man dem noch amtierenden Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) lassen: Sitzfleisch hat er. Obwohl bei der Loveparade unter seiner maßgeblichen politischen Mitverantwortung 21 Menschen ihr Leben verloren, Hunderte verletzt und viele Familien zerstört wurden, klebt Sauerland geradezu an seinem Oberbürgermeistersessel. Er wolle sich aktiv an der Aufklärung der Tragödie beteiligen, äußert er bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus seinem Versteck, und deshalb sei sein Verbleib im Amt des Oberbürgermeisters dringend nötig.

Einem Abwahlverfahren will er sich jetzt immerhin stellen – etwas anderes bleibt ihm ohnehin nicht übrig. Dabei wird die spannende Frage sein, wie sich seine eigene Partei bei der Abstimmung zur Einleitung des Abwahlverfahrens im Stadtrat verhalten wird. Denn die notwendige Zweidrittelmehrheit kommt nur zustande, wenn auch ein Mitglied der CDU für den jetzt von der FDP eingebrachten Antrag auf Abwahl Sauerlands stimmt.

Warum sich Sauerland so ziert, Rückgrat zu zeigen und seinen Hut zu nehmen, ist offenbar die Höhe seiner Pension und die Zahlung von Übergangsgelder. Würde er einfach zurücktreten, so dürften seine Altersbezüge geringer sein, als wenn er durch Abwahl sein Amt unfreiwillig verlieren würde.  Bei einem Rücktritt dürfte Sauerland „nur“ seine Pensionsansprüche als Lehrer und aus seiner ersten Amtsperiode als OB behalten. Zudem müsste der 55jährige – wie unzumutbar – noch einige Jahre bis zum Pensionsalter einer geregelten Arbeit nachgehen, vielleicht sogar noch als Lehrer auf einer der überfremdungsgeplagten Duisburger Schulen …

Bei einem Abwahlverfahren dagegen behielte Sauerland alle Pensionsansprüche und bekäme zudem noch ein üppiges Übergangsgeld bis zum regulären Ablauf seiner Amtsperiode. Trotz 21 Toten hat der saubere OB Adolf Sauerland also seine Pension  und seinen persönlichen geldwerten Vorteil fest im Blick und verhöhnt so die Opfer in unerträglicher Weise. Aus der CDU-Landtagsfraktion bekommt Sauerland nun  sogar noch Rückendeckung. Fraktionschef Karl-Josef Laumann sprang seinem Parteifreund bei und begrüßte kürzlich Sauerlands Haltung, Verantwortung zu übernehmen und an der Aufklärung der schrecklichen Katastrophe mitzuwirken.

Kevin Gareth Hauer, pro-NRW-Bezirksvorsitzender Ruhrgebiet

„Die einzige Verantwortung, die Sauerland derzeit übernimmt, ist wohl die für seine eigene Pension.“, erklärt dazu Kevin Gareth Hauer, der pro-NRW-Bezirksvorsitzende Ruhrgebiet. Weiter sagt Hauer: „Die Haltung des Oberbürgermeisters gibt ein Beispiel für den erbärmlichen Zustand der politischen Klasse in unserem Land, die außer auf die Lösung der eigenen sozialen Frage auf niemanden sonst Rücksicht nimmt.

Wenn Herr Sauerland wirklich ein Interesse an der Aufklärung der Umstände der schrecklichen Loveparade-Katastrophe hätte, würde er dieser Aufklärung nicht im Wege stehen und zurücktreten. Denn ich befürchte, dass er den Aufklärungsprozess  v.a. deshalb aktiv mitgestalten will, um die Veröffentlichung von für seine Person eher unangenehmen Wahrheiten zu verhindern. Fakt ist schließlich, dass Sauerland  ohne genügend Rücksicht auf die Sicherheit der Loveparade-Gäste die Großveranstaltung genehmigen ließ. Jetzt sucht er offenbar nach einem Sündenbock in seiner Verwaltung, um sich mit dessen Opferung die Hände weiß zu waschen. Ich hoffe sehr, dass dieses unrühmliche Schauspiel bald ein Ende hat und sich die Duisburger einen neuen Oberbürgermeister wählen können.“