Aktuelles, Landesweit / Donnerstag, 31.Juli.2014

Dr. Christoph Heger: Islam und Islamismus

Dr. Christoph Heger

Dr. Christoph Heger

Ein Meinungsbeitrag des Vorsitzenden des PRO-NRW-Arbeitskreises Islamkritik, Dr. Christoph Heger, zur aktuellen Islam-Diskussion im Medienhaus Springer:

Die volksverdummende politisch-mediale Schönfärberei des Islams lässt sich offenbar immer schwerer aufrechterhalten. Das zeigt die jüngste Aufregung im Hause Springer über einen islamkritischen Kommentar des stellvertretenden Bild-Chefredakteurs Nicolaus Fest. Die darauf folgende „politisch-korrekte“ Empörung bedient sich regelmäßig der Unterscheidung von Islam und „Islamismus“. Dieser Unterschied besteht aber nur in der Phantasie der Schönfärber.

Dazu ein aktuelles Beispiel: Der derzeitige Krieg zwischen Israel und der im Gaza-Streifen herrschenden Partei Hamas lenkt den Blick auf ein Kernproblem des Nahostkonflikts. Die Hamas gilt als „Terrororganisation“, die nicht bereit ist, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Tatsächlich hält die Hamas den Standpunkt, dass ein jüdischer Staat Israel nicht hingenommen werden kann, weil es sich auf geraubtem islamischem Territorium (dār al-islām, Haus des Islams) befindet, und dass die Juden dort allenfalls als geduldete „Schutzbürger“ (dhimmī) eines islamischen Staats in Palästina bleiben könnten.

Diese Auffassung ist nun keineswegs lediglich die Ausgeburt einer „extremistischen“, „islamistischen“ Spinnerei, sondern entspricht genau dem klassischen islamischen – „göttlich offenbarten“ – Recht. Demzufolge ist die muslimische Gemeinschaft (die ummah) aufgefordert, im Wege der Mission (da’wah, „Einladung“) oder des Dschihads (ğihād) Zug um Zug die ganze Erde im „Haus des Islams“ – nämlich dem Gebiet, in dem das islamische Recht gilt – zu versammeln; sie aber keinesfalls berechtigt ist, ein Gebiet, das einmal zum „Haus des Islams“ gehört hat, rechtens wieder an das „Haus des Krieges“ (dār al-ḥarb) zurückzugeben.

Natürlich halten – und hielten sich in der Geschichte – nicht alle Muslime an die reine Lehre. So hat wohl auch das Osmanische Reich, wenn es Ungarn oder andere Territorien abtreten musste, sich des Tricks bedient, dass man ja in erlaubten, zeitlich befristeten „Waffenstillständen“ sich zurückziehen könnte usw. Aber das islamische Recht bleibt bewusst und wird, wenn man die Macht dazu hat, auch durchgesetzt.

Die nun plötzlich sehr „islamgeneigte“ Haltung des Hauses Springer hat womöglich einen einfachen Hintergrund. In den berühmten „gewöhnlich wohlinformieren Kreisen“ hört man folgende Erklärung: Die türkische Zeitung Hürriyet war bis vor einiger Zeit im Eigentum der türkischen Familie Dogan. Deren Oberhaupt sei wie Ministerpräsident Recep Erdogan Mitglied des traditionsreichen (islamischen) Nakschibendi-Ordens – allerdings mit anderer Ausrichtung. Dogan stehe in der alten Sufi-Tradition des Ordens, die auch die kemalistische Türkei begünstigte, Erdogan verfolge die jüngeren wahhabitischen („islamistischen“) Bestrebungen in dem Orden. Dazu habe Erdogan versucht, auch die Herrschaft über die Zeitung Hürriyet zu erlangen. Um das zu verhindern, habe Dogan den Springer-Konzern als Miteigentümer mit ins Boot genommen. Bei diesem Kauf habe das Haus Springer allerdings den Fehler begangen, die Erwerbung nicht oder nicht rechtzeitig den türkischen Behörden anzuzeigen. Das habe Erdogan die Gelegenheit gegeben, dem Haus Springer die unmäßige Ordnungsstrafe von 500 Millionen Euro aufzuerlegen. Gleichzeitig sei der Chefredakteur der Hürriyet durch einen Schulkameraden des türkischen Außenministers Davitoglu ersetzt worden. Die inzwischen vom Hause Springer unternommenen Schritte, um eine Minderung der hohen Summe zu erreichen, gebe der Türkei, also der Regierung Erdogan, einen nicht geringen Einfluss auf die Politik des Hauses Springer.

Wie dem auch sei …

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