Landesweit / Donnerstag, 17.Juni.2010

Der 17. Juni 1953 – Mahnung über den Tag hinaus

Bis zum Jahr 1990, als am 3. Oktober die deutsche Wiedervereinigung gelang, feierte die Bundesrepublik Deutschland den 17. Juni als deutschen Nationalfeiertag. Warum gerade dieser Tag als Nationalfeiertag gewählt wurde, das unterstreicht, wie wach im damaligen Bewusstsein noch die Bedrohung des Kommunismus für den Bestand der Freiheit war. Dieses Bewusstsein ist heute längst vergessen. So schweigt sich der Blätterwald auch zum großen Teil über die Ereignisse des 17. Juni und dessen Bedeutung für die deutsche Geschichte aus.

An jenem Tag im Jahr 1953 wagten die Deutschen in der DDR den Aufstand gegen das unter sowjetischer Einflussnahme stehende Terrorregime der SED. Dieses hatte eine Erhöhung der Arbeitsnormen verordnet, um die Sowjetisierung des Landes schneller voranzutreiben. Deshalb waren es vor allem Arbeiter, die in den Streik gingen und Verwaltungsstellen besetzten. Die DDR-Regierungsmarionetten um Walter Ulbricht wussten sich nicht anders zu helfen, als beim großen sowjetischen Bruder nach Hilfe zur rufen. Die Sowjets ließen dann ihre in der DDR stationierten Truppen im Verein mit der NVA mit brutaler Gewalt gegen die Aufständischen vorrücken. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des Aufstandes mit Dutzenden Toten fielen später der DDR- Willkürjustiz weitere 1600 Menschen zum Opfer .

Ein totalitärer Staat ging also mit Waffengewalt gegen seine eigenen Bürger vor – aus rein ideologischem Antrieb. Vor diesem Hintergrund mutet es seltsam an, dass die Rechtsnachfolger der SED-Mauerschützenpartei in Gestalt der Linkspartei für salonfähig gehalten werden und sogar ihre Einbeziehung in die Regierung für vorgebliche Demokraten bei SPD und Grünen kein Problem zu sein scheint. Sie verraten damit das Andenken der Opfer des DDR-Unrechtsregimes, ob an der Mauer erschossen, durch Genickschuss auf staatliche Anweisung ermordet , am 17.Juni von russischen Panzern überrollt oder auf sonstige Art und Weise für ihren Widerstand gegen eine tödliche Ideologie menschenverachtend bestraft.

Was lehrt der 17. Juni über den Tag hinaus? Er lehrt, dass Totalitarismus tötet und dass der Kampf für die eigene Freiheit oft an einer aus kühlen Machtinteressen propagierten Ideologie scheitern kann. Der 17. Juni lehrt aber auch, dass die Formung des Menschen nach einer Ideologie immer blutig enden wird. Wer seine politischen Handlungen nicht nach den Bürgern seines Landes ausrichtet, der ist Feind des eigenen Staatsvolkes. Ein bisschen mehr Erinnerung an den 17. Juni und den Unrechtscharakter des DDR-Regimes würde in unseren Tagen der Liebäugelei mit den parteipolitischen Erben Honeckers sicher nicht schaden.