Aktuelles / Donnerstag, 2.Dezember.2010

Bonn: Pro-NRW-Aktivisten liefern vorbildlichen Beitrag zu öffentlicher Islam-Diskussion

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der syrisch-deutsche Politiker Aiman Mazyek (FDP), war am 30. November 2010 Teilnehmer an der Podiumsdiskussion „Christen und Muslime: Wie geht das Miteinander?“ in den Räumlichkeiten der katholischen Bonner Kirchengemeinde St. Winfried im Bundesviertel.

Moderatorin der Veranstaltung war Melanie Miehl, Islamwissenschaftlerin und „Dialog“-Aktivistin, die in Bonn häufiger bei Veranstaltungen dieser Art zu sehen ist. Miehl leitete sogleich ein mit einer vollkommen unkritischen Darstellung der König-Fahd-Akadmie in Lannesdorf. Die Dritte in der Runde war Karin Kortmann (SPD), die MdB im Zeitraum von 1998 bis 2009 und Parlamentarische Staatssekretärin unter Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (Entwicklungshilfe) gewesen ist. Eine derartige Debatte wollten sich die Nonkonformisten des pro-NRW-Kreisverbandes Bonn keinesfalls entgehen lassen. Im Publikum befanden sich letztlich drei Mitglieder der Bürgerbewegung sowie ein Aktivist des islamkritischen Blogs Politically Incorrect.

Die Ausführungen Mazyeks handelten von einer Verpflichtung beider Seiten, der deutschen Mehrheitsgesellschaft wie auch der Muslime, zu einem friedlichen Miteinander zu finden. Das Anliegen der Islamkritiker, jegliche Unvereinbarkeiten der koranischen Religionspraxis mit dem modernen Lebensstil Europas nicht zu dulden, versuchte Mazyek zu diskreditieren. Der Hass gegen den Islam habe den Mord an Marwa El-Sherbini in Dresden und in den letzten Wochen diverse Brandanschläge gegen Moscheen hierzulande hervorgebracht. Die Worte des FDP-Manns glichen einer Jammerarie über eine vermeintlich allgegenwärtige Diskriminierung der Muslime durch die westlichen Gesellschaften. Dass seriöse Islamkritiker Gewalt generell ablehnen, egal ob sie von „ungläubigen“ Europäern, „rechtgläubigen“ Orientalen oder sonst wem ausgeht, ließ der muslimische Funktionär geflissentlich aus. Mazyek wetterte gar, der Gedanke an einen islamischen Machtanspruch sei eine „paranoide Vorstellung“. Was der Zentralrats-Vorsitzende von Islamkritikern hält, offenbarte er in einem Interview am 8. September 2009 gegenüber news.de: „Deutschland ist nicht islamfeindlich, aber es gibt erwiesen islamfeindliche Geschwüre und Tatbestände in unserem Land, die wir nicht leugnen können.“

Karin Kortmann berichtete von Wahlplakaten der mit pro NRW kooperierenden Republikaner während der Bundestagswahl 2009 in Düsseldorf. Die dort abgebildeten, durchgestrichenen Minarette sollten ihrer Meinung nach durch den Volksverhetzungs-Paragraphen im StGB verboten werden. Die historische Tatsache, dass Minarette erst in der Phase der Eroberung christlicher Länder durch den Islam entstanden sind, ist Kortmann offensichtlich unbekannt. Gänzlich abstrus geriet eine Andeutung der SPD-Politikerin, wonach die Muslime hierzulande einer Diskriminierung wie einst die Juden ausgesetzt seien.

Nach dem offiziellen Ende der Podiumsdiskussion glänzte das ehemalige MdB mit einer gehörigen Portion Unwissenheit. Die Sozialdemokratin meinte, die Bürgerbewegung pro NRW sei „noch schlimmer als die Republikaner“.

Nico Ernst, pro-NRW-Stadtverordneter in der Bundesstadt Bonn und neuer stellvertretender Kreisvorsitzender des örtlichen pro-NRW-Verbandes.

Die fast vollständige Deckungsgleichheit der politischen Inhalte angesichts einer bald kommenden Fusion beider Parteien ist ihr wohl entgangen. Auf den üblichen Rechtsextremismus-Vorwurf gegen die Bürgerbewegung, den Kortmann äußerte, entgegnete der pro-NRW-Stadtverordnete Nico Ernst:

„Wie sieht es mit tatsächlichen Linksextremisten in Ihrer Partei aus? Was ist mit Franzika Drohsel (Ex-Juso-Vorsitzende)? Was mit der neulich erfolgten Aufhebung der Unvereinbarkeit mit der DKP-Vorfeldorganisation VVN-BdA?“

Hierauf wusste die Düsseldorferin keine Antwort zu geben.

Noch vor dem Ende der Runde konnten Fragen an das Podium gerichtet werden. Trotz des Umstandes, dass keiner der organisierten Islamkritiker trotz Meldung seine Frage einreichen konnte, kam es dennoch zu einem Nachhaken substantieller Art. „Wieso trauen sich muslimische Frauen ohne männliche Begleitung meistens nicht, die Wohnungen deutscher Familien zu betreten, obwohl sie eingeladen worden sind?“ Mazyek führte dies auf „Missverständnisse“ kultureller Art zurück. Als sich einzelne pro-NRW-Mitglieder mit kleinen Zwischenrufen Gehör verschaffen wollten, sah Melanie Miehl den Zeitpunkt gekommen, abrupt die Podiumsdiskussion für offiziell beendet zu erklären. Ein Verhalten, das einer anwesenden Aktivistin der Bürgerbewegung bereits von einer ähnlichen Veranstaltung, die vor kurzem im Stadtteil Mehlem stattgefunden hatte, bekannt war. Den Vogel schoss der in der Zuhörerschaft sitzende Eyup Akman, seines Zeichens Funktionär der Islam-Partei „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“ (BIG), ab, indem er den Nonkonformisten nahelegte, den Ort zu verlassen, wenn es ihnen nicht passe. Man stelle sich einen Christen vor, der Muslimen in einer Moschee die Tür weist!

Im Anschluß ergaben sich noch einige interessante Gespräche zwischen den Nonkonformisten von pro NRW und anderen Teilnehmern. Von einigen wurde der Vorwurf geäußert, die Islamkritiker suchten nur die Provokation um der Provokation willen. Der Bonner pro-NRW-Kreisvorsitzende Detlev Schwarz parierte umgehend:

„Glauben Sie, dass ich nur aus Jux und Dollerei nach zwölf Stunden Arbeit abends in der spätherbstlichen Kälte hier hinkomme, und mir zwei Stunden lang die Vorträge anhöre? Ich habe ein ernsthaftes Anliegen, das ich an eine möglichst breite Öffentlichkeit kommunizieren möchte!“

Jene deutlichen Worte sorgten dafür, dass alle Unterstellungen dieser Art mit einem Schlag entkräftet waren. Zu guter Letzt fiel Akman abermals unangenehm auf, da er in aggressiver Weise auf die pro-NRW-Politiker gemünzt meinte: „Mit diesen Leuten diskutieren wir nicht!“ Das Demokratie-Verständnis der Marke BIG… Fazit des Abends: Wieder einmal setzte der örtliche pro-NRW-Verband ein gelungenes Zeichen der Einmischung.