Landesweit / Donnerstag, 8.Juli.2010

Bildungspolitik in NRW: Alter Wein in neuen Schläuchen

pro-nrw.net sprach mit dem Bildungsexperten Torsten Lange über die Schulpolitik in NRW. Der Ex-Grüne-Bundestagsabgeordnete hat sich mit der Koalitionsvereinbarung der rot-grünen Minderheitsregierung beschäftigt. Sein Fazit: Auch mit der neuen rot-grünen Minderheitsregierung (unter voraussichtlicher Tolerierung der kommunistischen Linkspartei) können die Schüler und Eltern nichts Gutes erwarten.

pro-nrw.net: Herr Lange, SPD und Grüne haben jetzt angekündigt, eine Bildungsoffensive in NRW zu starten. Was darf man von der neuen Regierung in Sachen Schulpolitik erwarten?
 
Torsten Lange: Wer sich den Koalitionsvertrag von SPD/Grüne genauer anschaut stellt fest: linke Ideologie zieht sich durch fast alle schulpolitischen Reformvorschläge. Auch die Methode ist nicht neu. So werden wie immer pseudoliberale und pseudodemokratische Anliegen miteinander verknüpft, um dem Ziel einer sozialistischen Einheitsschule leichter, sprich: mehrheitsfähiger näher zu  kommen. Kopfnoten abschaffen, Elternrechte stärken, Schülermitwirkungsrechte ausbauen, alles wohlfeile Forderungen, in denen von Rechtsansprüchen viel, von Pflichten und Leistung jedoch nichts zu lesen ist. Das strategische Ziel: der politisch manipulierbare Gutmensch! Die Linken haben dieses Menschenbild in sich festgezurrt; insofern ist es nur folgerichtig, dass sie an den Strukturen unseres Schulsystems rütteln und zwar unter in Kaufnahme der Qualitätsverschlechterung von Bildung!
 
pro-nrw.net: Die Gemeinschaftsschule wird ja von den Linken immer noch so verkauft, als handele es ich um eine Innovation. Wer für das gegliederte Schulsystem ist, sei altmodisch. Nun ist die Forderung der Gemeinschaftsschule aber tatsächlich ein alter Hut. Haben die Linken einfach das bessere Marketing?
 
Torsten Lange: Alter Wein in neuen Schläuchen: Da die Gesamtschule in NRW nicht mehrheitsfähig ist, ändern SPD und Grüne die Begrifflichkeit: aus Gesamtschule macht man Gemeinschaftsschule, was ja auch schöner klingt! Im Erringen von Definitions- und Debattenhoheit waren Linke immer schon gut und deshalb leider erfolgreich! So wird etwa das insgesamt bewährte Schulsystem als Selektionsapparat – wer denkt da nicht an die Rampe von Auschwitz? – gebrandmarkt, wohlwissend, dass auch in der Einheitsschule sortiert wird.

Der ehemalige Lehrer Torsten Lange saß in den 80er Jahren für die Grünen im Bundestag, jetzt engagiert er sich für die freiheitlich-konservative Pro-Bewegung.

Selbst der bekannte  Prof. Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, der die erste Pisa-Studie in Deutschland betreute, verkündete neulich, dass die soziale Auslese zurückgegangen sei und sich die Chancen, ein Abitur zu erlangen erheblich verbessert hätten. Auch er hält eine Schulstrukturdebatte unter einem unideologischen Blickwinkel für überflüssig. Wenn Linke das mehrgliedrige Schulsystem als „altmodisch“ diskriminieren, verraten sie sich selbst; denn modische Trends haben das Merkmal, dass sie wechseln. Unsere Schulen aber brauchen Beständigkeit und Berechenbarkeit, keinesfalls aber die Fortführung jahrzehntelanger linker neumodischer Experimente.
 
pro-nrw.net: Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht für die Beibehaltung des gegliederten Schulwesens?
 
Torsten Lange: Es gibt keine sinnvolle Strukturalternative! Allerdings ist auch das bisherige Schulsystem verbesserungswürdig.
 
– Wenn die Hauptschulen aus ihrem Dasein als Restschule materiell, personell und qualitativ besser ausgestattet wären, wäre ihre Existenz nicht in Frage gestellt. Es darf nicht sein, dass ein gewichtiger Anteil von Schulabgängern ohne Abschluss direkt in die Sozialsysteme wandert.
 
– Die  Realschulen  müssen wieder mehr Leistung abfordern; es ist kein gutes Zeichen, wenn Unternehmen ihre Bewerber selbst ausbilden, weil jene aus den öffentlichen Schulen in den Kernbereichen Lesen, Schreiben, Rechnen Grundlagendefizite zeigen.
 
– Eine Reform der zweigeteilten Lehrerausbildung ist unumgänglich, damit später jede Lehrkraft in jeder Schulart pädagogisch-didaktische Kompetenz, fachliche Professionalität und Personalautorität einbringen kann. Eine einheitliche Besoldung ist überfällig.
 
Fördern ist wichtiger denn je! Aber der Leistungsgedanke nach der Grundschulzeit muss im Vordergrund stehen. Stärkere dürfen nicht durch leistungsschwächere Schüler in ihrer Entwicklung gehindert werden.

 – Die beste Fördermaßnahme sind kleine Klassen! Für jeden, der schon einmal unterrichtet hat, ist dies eine Binsenweisheit.
 
– Erziehung ist neben Leistung die zweite Säule von Bildungspolitik. Deshalb ist die Ausbildung von Sekundärtugenden unverzichtbar. Ohne Pflichten keine Rechte! Dieser Aspekt, der von den Linken in die schulpolitische Abstellkammer gestellt wurde, muss um der Zukunft kommender Generationen willen wieder in den  Fokus der Debatte rücken. Insofern sind Kopfnoten ab Klasse 7 durchaus sinnvoll.
 
– Viele Schulprobleme, vor allem in Ballungsgebieten, sind durch eine völlig verfehlte Einwanderungspolitik verursacht worden. Ein Zuwanderungsstopp für Migranten aus bildungsfernen Schichten ist deshalb oberstes Gebot. Bei Großklassen mit über 70 % Migranten mit unzureichenden Kenntnissen der deutschen Sprache und Kultur muss man von Qualitätsverbesserung und anderem nicht weiter reden.
 
Wer es mit Bildung ernst meint, muss nicht Strukturen, sondern Inhalte ändern!

Wir danken Ihnen für das Gespräch