Regional / Montag, 16.September.2013

Bildung: Gabriel will Hausaufgaben abschaffen

Es ist Wahlkampf. Wer das noch nicht gemerkt hat, lebt offensichtlich auf dem Mond, denn derzeit sprießen wieder einmal die wildesten Stilblüten an politischen Ideen: Die Grünen haben sich mit ihren Steuererhöhungsplänen bereits ins Aus geschossen, die CSU macht die unbeliebte PKW-Maut zur Bedingung einer Regierungsbeteiligung im Bund und die CDU bestreitet mit ihren „Weiter so“-Parolen einen eher inhaltlosen Wahlkampf, um bloß nicht anzuecken. Und auch dem ansonsten eher arrogant auftretenden Peer Steinbrück gelingt es nicht, sich wirklich volksnah zu geben, ein Fettnäpfchen folgt dem anderen.

Um die Chancen für die SPD zu erhöhen, hat nun sein SPD-Rivale, der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel eine besonders innovative Idee in den Wahlkampfring geworfen: Hausaufgaben fördern gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, meint er. Deshalb will der SPD-Chef die Hausaufgaben gleich ganz abschaffen – stattdessen sollen Schüler einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Ganztagsschule bekommen. Was sich auf den ersten Blick als interessanter Beitrag zur Schulpolitik anhört, entpuppt sich allerdings als Schildbürgerstreich. Genauso kann man die Abschaffung roter Ampeln fordern, da diese Unfallschwerpunkte bilden. Der SPD-Chef wollte offenbar eine Neiddebatte befördern, denn in seinen Augen sei es ungerecht, „dass Eltern, die Akademiker sind, ihren Kindern bei der höheren Schulbildung einfacher helfen können als Eltern, die nicht studiert haben“. Deshalb müssten die Aufgaben während der Schulzeit erledigt werden und nicht im Elternhaus.

Damit wirft der SPD-Chef Kindern, die ihre Hausaufgaben machen und dadurch intensiv lernen, letztlich ihren Fleiß vor, während faule Kinder als Opfer der sozialen Umstände angesehen werden. „Dieser SPD-Gleichheitswahn erinnert an die DDR“, bewertet Kevin Hauer den Vorschlag als irrwitzig. „Eine der letzten Bastionen der Familie, das Machen und Überprüfen der Hausaufgaben, soll in die Obhut des Staates übergeben werden? Das ist ja absurd“, stellt der Stadtverordnete von PRO NRW im Gelsenkirchener Stadtrat entrüstet fest und erklärt: „Gerade hiesige Schulen versagen bei der Vermittlung von Schulstoff immer mehr. Der Leistungsgedanke zählt nicht mehr, Sitzenbleiben, Noten und nun Hausaufgaben. Alles soll abgeschafft werden, damit Unterschiede nicht mehr erkennbar sind!“

Zudem haben besonders die SPD-geführten Bundesländer und deren Kommunen wegen klammer Kassen das vom Bund aufgebaute Netz von Schulsozialarbeitern weitgehend zurückgefahren. Gerade die Schulsozialarbeiter kümmerten sich in der Vergangenheit besonders um lern- und sozialschwache Schüler. Im Hinblick auf diese Tatsache erscheint der Vorstoß von Gabriel als sehr gewagt.

„Der Gedanke, Hausaufgaben abzuschaffen, ist eine Mogelpackung, und dann noch von jemandem, der im richtigen Beruf Lehrer ist! Die auch in Gelsenkirchen regierende SPD ruiniert erst das gesamte Bildungssystem und kommt dann im Wahlkampf mit solchen dämlichen Ideen um die Ecke. Wer wirklich Lern- und Sozialschwachen helfen möchte, so wie wir von PRO NRW, der stärkt den sozialen Zusammenhalt in der Familie und gleichzeitig auch in der Schule und übergibt die alleinige Verantwortung nicht dem Staat! Mit uns gäbe es mehr Schulsozialarbeiter, keine Frage. Aber Bildung kostet, das hat sich bei der SPD offensichtlich nicht herumgesprochen“, kritisiert der Stadtverordnete Hauer Sigmar Gabriel und auch dessen Parteigenossen auf kommunaler Ebene schonungslos.

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