Regional / Mittwoch, 23.Juni.2010

Bergisch Gladbach: Geschichten aus Tausendundeiner Nacht

In Bergisch Gladbach luden die Moschee-Gemeinden erstmals zu einem Tag der Vereine und die Presse konnte sich vor lauter Rührung gar nicht einkriegen.

„Ein großes Familienfest: Rund um eine Feuerstelle saßen Kinder, hielten Stockbrot in die Flammen. Andere hatten es sich im Zelt auf einem Teppich gemütlich gemacht und hörten einer Märchenerzählerin zu. Einige Schritte weiter bastelten Mädchen Wurfbälle und Krokodilskronen. Die kleine Melissa bemalte einen Anstecker. Sie sei an jedem Wochenende hier, in der Moschee, erzählte sie: um Arabisch zu lernen. Doch ein Fest wie dieses hat sie rund um die Moschee noch nicht erlebt.“ Was der Kölner Stadt-Anzeiger hier in einem rührenden Bericht schildert, das klingt wie eine Geschichte aus Tausendundeiner Nacht. Statt Zwangsheiraten und Vollvermummung durch Burka gibt es Stockbrot und Romantik pur. Den Bürgern wird mit solchen Berichten eine heile Multikulti-Welt vorgespielt.

Vom wirklichen Charakter des Islams ist da nicht die Rede. Auch dass einem Moslem die Täuschung erlaubt ist, wenn man sich noch in der Minderheit befindet, macht die unbeschwerten Redakteure nicht stutzig. Sonst hätten diese sich gefragt, ob dem „Verband der Islamischen Kulturzentren e.V.“ wirklich an einer Einordnung der Muslime in die Gesellschaft, also einer Integration, gelegen ist. Auch dieser Verband will nämlich, wie die DITIB, Schulen bauen, in denen Türkisch-Stämmige in die Lehren des Korans eingeführt werden und in denen sie ihre türkische Identität bewahren sollen. Ganz so, wie dies der türkische Ministerpräsident Erdo?an seinen Landsleuten in Köln vor einiger Zeit befohlen hatte.

Im Übrigen scheint man in der Redaktion des Kölner Stadt-Anzeigers noch nicht einmal seine eigenen Berichte zu lesen. Denn im April 2008 wurde dort noch ein Polizeibericht veröffentlicht, in dem der Verein als „antiwestlich, antidemokratisch und antijüdisch“ bezeichnet wurde. Sind das neuerdings die Bedingungen, um vom Stadt-Anzeiger gelobt zu werden? Die Kernfrage ist, ob die Muslime die Trennung von Kirche und Staat akzeptieren können. Dies würde jedenfalls dem Buchstaben ihrer Religion widersprechen und allen bisherigen Erfahrungen. Mit solchen rosaroten Berichten und Veranstaltungen, in denen man sich Wattebällchen zuwirft, werden schließlich diese wichtigen Fragen jedenfalls nicht beantwortet. Im Übrigen ist es nicht die Aufgabe aufgeklärter Bürger, sich einer mittelalterlichen Religion anzunähern, die die Menschenrechte mit Füßen tritt. Vielmehr müssen sich die Muslime von diesen Traditionen deutlich distanzieren, wenn sie einen Platz in der deutschen Gesellschaft finden wollen.