Aktuelles / Montag, 27.September.2010

Ab in den Orient

Ein nicht ganz ernst gemeinter offener Brief der Bürgerbewegung pro NRW an den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland:

Lieber Adolf Sauerland,

Du hattest in den letzten Wochen den Eindruck: Keiner mag Dich. Bei aller Betriebsblindheit, die Dich in besonderer Weise auszeichnet, hast Du bei dieser Einschätzung wirklich mal so halbwegs in Schwarze getroffen. Richtige Fans hast Du tatsächlich nicht, hatte man bisher jedenfalls geglaubt. Höchstens den einen oder anderen Mitwisser im Duisburger Stadtparlament, der sich mit Dir nicht einfach vom Bürger-Pöbel von den Futtertrögen verdrängen lässt. Das wäre ja noch schöner, wenn es die Duisburger sein würden, die zu entscheiden hätten, ob Du weiter Oberbürgermeister bleibst oder nicht.

Nein, lieber Adolf Sauerland, man hat Dir bitter unrecht getan. Schließlich kannst Du ja nicht auch noch für Dein schmales Oberbürgermeister-Salär für jede Kleinigkeit Verantwortung übernehmen. Großveranstaltung? Sicherheitskonzepte? Wozu gibt es denn private Firmen? Na gut, Du bist oberster Dienstherr Deiner Behörde. Aber diese Manager von irgendwelchen Zombie-Banken kriegen ja auch Millionengehälter, obwohl sie ähnlich unfähig sind wie Du. Nein, man hat Dir bitter unrecht getan. Als ob, in diesem Land jemand Verantwortung für sein Tun übernehmen würde. Erst recht nicht Politiker. Das ist wirklich lachhaft, wenn man sich die Spitze des Staates anschaut.

Man hat Dir bitter Unrecht getan, und Du musstest darunter leiden. Zum Beispiel neulich, als Du ein Kinderfest einweihen solltest und nicht kommen konntest. Schließlich warst Du krank. So was kann passieren. Gut, dass Du zur gleichen Zeit in der Kneipe Deinen Parteifreund Röttgen Gesellschaft geleistet hast, sieht auf den ersten Blick vielleicht etwas komisch aus. Aber schließlich muss man sich ja auch einmal erholen dürfen – nach so vielen Angriffen und Rücktrittsforderungen. Auch, dass wir, von der Bürgerbewegung pro NRW, Dir das Leben vor Deinem eigenen Rathaus schwer gemacht haben, tut uns im Nachhinein fast leid. Unsere Demonstration in Duisburg hat womöglich Deinen Büroschlaf gestört und die Genesung damit verzögert.

Wir waren deshalb unheimlich glücklich, als wir heute die Tageszeitung aufgeschlagen hatten. Nicht etwa, dass sich nun ein Fan zu Dir bekannt hätte. Aber immerhin, Du hast Trost gefunden, können wir lesen. „Nach schlimmen Ereignissen wie diesen suchen Menschen Zuneigung“, hast Du den Freunden von der „Hürriyet“ auf den Block gehaucht (haben die eigentlich einen Übersetzer dabei?). Und wir sind echt glücklich, dass Du solche verständnisvollen Menschen gefunden hast, Adolf. Du habest „Trost und Zuflucht bei den Türken beim Fastenbrechen“ gefunden.

Ja, bei den Türken, den Muslimen, da findet man wirklich Verständnis. Du hast Dich ja nicht als Ehebrecher betätigt, sondern nur als Versager. Die Muslime haben die Loveparade sowieso als Teufelswerk verstanden. Und weil Du als Stadtoberhaupt nicht für einen reibungslosen Ablauf sorgen konntest, da bist Du bei denen vielleicht jetzt der Held. Lieber Adolf, wir haben so viel Verständnis, dass wir Dir einen Vorschlag machen wollen: Pack Deinen Koffer, kauf Dir einen Gebetsteppich und dann mach Dich auf in den Orient. Du hast Dich doch beklagt, dass man in Deutschland immer gleich irgendeinen Schuldigen finden müsse. Das kannst Du Dir doch nicht zumuten.

Kehre denen, die Dich nicht mehr lieben, den Rücken. Wir werden Dich nicht vermissen.

Deine Bürgerbewegung pro NRW