Aktuelles / Donnerstag, 14.Februar.2013

Aachen: Was denn nun? Salafistenhochburg oder Stätte der Harmonie für integrationsliebende Moslembrüder?

Von Wolfgang Palm, stellvertretender PRO-NRW-Vorsitzender

Wir erinnern uns: Vor drei Wochen läuteten in Aachen die Alarmglocken. Der Journalist der Aachener Nachrichten (AN), Johannes Nitschmann, hatte nichts Gutes für die Aachener Bürger zu berichten. Der Innenausschuss im Düsseldorfer Landtag hatte getagt und der Leiter des NRW- Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, hatte knallharte Fakten geliefert:

Aachen ist neben anderen Städten Hochburg der Salafisten, der Zulauf zur Szene der radikalen Islamisten verstärkt sich besorgniserregend, Radikal- Islamisten suchen Anhänger vor allem in den Hochschulstädten, 1000 registrierte Salafisten, 100 gewaltbereite Dschihadisten, Deutschland mehr denn je im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus, etwa 20 Moscheen unter Beobachtung wegen Treffen gewaltbereiter Salafisten und Hassprediger, in Netzwerken organisierte Salafisten – gesteuert zumeist aus Ägypten, Syrien oder Jemen, zudem radikalisierte Einzelpersonen….usw!

Drei Wochen später – 05.Februar 2013 -:

Die AN berichten ganzseitig von einem harmonischen, interreligiösen Zusammenleben in Aachen. Juden und Muslime fühlen sich gut aufgehoben in Aachen und pflegen den Dialog untereinander und mit den Christen. Aachen ist weltoffen, tolerant, einfach anders.
Eigentlich eine erfreuliche Nachricht. Denn laut einer Studie „Religion und Politik“ der Universität Münster aus 2010 befürworten nur ein knappes Drittel der Westdeutschen und weniger als ein Viertel der Ostdeutschen den Bau von Moscheen.

In Aachen aber begrüße man den Bau der Yunus-Emre-Moschee. Der von rechter Ecke seitens Pro NRW geschürte Widerstand habe keinen Widerhall gefunden. Man freue sich nun auf die Fertigstellung des Bauwerks, einer Mischung aus westlicher Architektur und klassischer Moschee.

Nun kann man bekanntlich über Geschmäcker streiten. Die im Umfeld des Rohbaus wohnenden Menschen sehen den Bau mit eigenen Augen. Sie sind die Betroffenen im Schatten der „architektonischen Meisterleistung“ und sprechen eher abwertend von einer überdimensionierten Fabrikhalle mit Schornstein … „und dass man so etwas nicht hätte erlauben sollen“. Aber die Ostviertel-Bewohner hat man nicht nach ihrer Meinung gefragt. Sie aber müssen im Umfeld des Bauklotzes leben – und nicht die etablierten politischen Entscheidungsträger.

Im Zeitungsbericht erinnert man denn auch an den Bau der Bilal-Moschee, eine der ersten Moscheen in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg, finanziert von 14 islamischen Staaten „von Mali bis Malaysia“. 1978 wurde das Islamische Zentrum Aachen (IZA) als Trägerverein gegründet. Genau dieser Verein „IZA“ stand jahrelang wegen Verbindungen zur syrischen Muslimbruderschaft unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

Wurde erst vor drei Wochen vor den Gefahren gewarnt, Radikal-Islamisten suchten vor allem Anhänger in Hochschulstädten, so darf nun der stellv. IZA Vorsitzende Aiman el-Attar die Verbindungen zwischen Bilal-Moschee und der RWTH positiv hervorheben:
Zahlreiche Studenten aus muslimischen Ländern schreiben sich alljährlich ein. Das IZA ist religiöser Treffpunkt für Muslime aus der gesamten islamischen Welt, vornehmlich aus dem arabischen Raum und Südasien.

Die „Aachener Nachrichten“ dürfen jedenfalls für Aachen Entwarnung geben. Jörg Radermacher vom Verfassungsschutz NRW erklärte, das IZA werde seit 2009 nicht mehr im Verfassungsschutzbericht erwähnt. Die Bezüge zur Ideologie der (islamisch-fundamentalistischen) Muslimbrüder seien im Vergleich zu früher erkennbar zurückgegangen. Schon seit Jahren hätte man gemäßigte und auf Integration bedachte Aktivitäten festgestellt. Zufrieden konstatiert deshalb Herr El-Attar ein „herrliches, liebevolles Klima in Aachen.“

Der Aachener PRO-NRW-Kreisverband würde sich gerne über die „befriedete Situation“ in Aachen freuen. Doch es zeugt von politischer Naivität, dem mit üppigen Geldern ausgestatteten IZA glaubwürdige Mäßigung und Dialogbereitschaft zu attestieren. Zu lange galt Aachen wegen Attars Bilal-Moschee als Operationsbasis für Islamisten aus aller Welt.

Die Aktivisten von PRO NRW werden wachsam und vor allem kritisch bleiben. Selbst auf die Gefahr hin, wieder einmal als rassistisch und islamfeindlich denunziert zu werden.