Aktuelles / Dienstag, 22.Februar.2011

Aachen: Pro-NRW-Kreisverband überzeugt bei integrationspolitischer Diskussionsveranstaltung

Im evangelischen Gemeindezentrum der Martin- Luther- Kirche fand Ende vergangener Woche zum Thema „Fremd oder zu Hause? Integration- eine Aufgabe für alle“ ein spannender Diskussionsabend unter Beteiligung lokal etablierter Politprominenz statt.

Zur Einleitung referierte Herr Abdurrahman Kol als Vorsitzender der türkischen Ditib- Gemeinde Aachen zum Neubauprojekt der Yunus-Emre-Moschee. Hierbei betonte er ausdrücklich, dass er sich dankbar und glücklich schätze über die einvernehmliche Unterstützung der Aachener Politiker und der Aachener Verwaltung. Ohne größere Diskussionen habe man die verfahrenstechnischen, nicht jedoch alle finanziellen Voraussetzungen für den prachtvollen, 6 Millionen Euro teuren Moscheebau geschaffen und habe so die Protestaktionen von Pro NRW abwehren können. Stolz verkündete Herr Kol: „Pro NRW hat es nicht geschafft!“ Und im weiteren Vortrag bekräftigte er den Verwurzelungseffekt mit den Worten: „Wer baut, der bleibt!“

Die interessierten Zuhörer erfuhren, dass die „Ditib“ zwar eine vom türkischen Staat bezahlte Einrichtung sei, aber eben vollkommen unpolitisch und in Kooperation mit den kirchlichen Gemeinden agiere. Die aus der Türkei entsandten und speziell geschulten Imame seien türkische Staatsdiener, vergleichbar mit den uns bekannten Beamten, hätten eine halbjährige Ausbildung in deutscher Sprache erhalten und dürften sich nicht politisch äußern. Ausschließlich religiöse Themen würden behandelt.

Wolfgang Palm, Pro-NRW-Kreisvorsitzender in Aachen

Die dankbaren Zuhörer klatschten rege Beifall. Auch Herr Dr. jur. Griese, Staatssekretär a.D., Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht, stellvertretendes Mitglied am Verfassungsgerichtshof in Münster und Vorsitzender der Grünen in Aachen, begrüßte die Integrationsbemühungen und den Moscheebau in Aachen.

Frau Prof. Dr. Barbara Krause debattierte anschließend zum Thema „Fremd sein – zu Hause sein“ und der türkischstämmige Jugendliche Anil, Hauptschüler und Torwart der Fußballjugendmannschaft Raspo Brand, durfte von seinen negativen Erfahrungen als „junger Türke“ berichten. „Scheiß Ausländer“ sei er einmal genannt worden. Das habe ihn geärgert, aber ansonsten fühle er sich wohl in seinem Aachener Umfeld. Sprach’s und verschwand, weil er zum Trainingsspiel musste. Sehr sachlich und distanziert objektiv nahm Herr Melikjan, nach eigenen Angaben aus Georgien stammender Armenier christlichen Glaubens, an der Diskussion teil.

Schließlich wurden die Besucher aufgefordert, sich an der Diskussion zu beteiligen und ihre Meinungen zu vertreten. Mit dem Redebeitrag des Aachener Pro-NRW-Kreisvorsitzenden Wolfgang Palm, der sich als solcher und im Sinne des Herrn Kol selbst als „diavolo in persona von pro NRW“ dem Publikum vorstellte, folgte nun ein islamkritischer Vortrag über den Kulturwandel zum gefühlten Kulturkampf, wo Kruzifixe aus öffentlichen Gebäuden abgehängt würden, christliche Feiern zu Weihnachten oder Ostern aus deutschen Kindergärten verbannt, ja sogar Sparkassen keine Sparschweine ausgeben würden, um nicht religiöse Gefühle von Muslimen zu verletzen. Er betonte die Befindlichkeiten der toleranten, einheimischen Mehrheitsbevölkerung, welche dies mittlerweile schweigend tolerieren müsse, während auf der anderen Seite zunehmend gefordert würde. Hierdurch fühlte sich Herr Kol beleidigt und sprach von ausgeprägter Islamophobie. Hierzu nahm dann Herr Maertin als stellvertretender Aachener Pro-NRW-Kreisvorsitzender Stellung. Er belehrte Herrn Kol und die nun aufgeweckte Zuhörerschaft zum Begriff der „Phobie“, welche nicht tauge, um diametrale Ansichten und abweichende Meinungen als Krankheit zu definieren.

Sein dann folgender Vortrag zum Thema „Koran – wiederkehrende Aufforderung zur Tötung und Unvereinbarkeit mit dem Wertekanon unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung“ wurde interessiert zur Kenntnis genommen. Ein Versuch des Widerspruchs einer jungen Türkin mit Kopftuch zur missverständlichen Deutung des Koran ohne Kontextbezug war nicht überzeugend. Herr Maertin stellte sich dem Publikum als „Koran-Belesener mit dreijährigem Selbststudium“ vor und bot an, zu allen Textpassagen Stellung zu nehmen. Hierauf wurde dann zu vorgerückter Stunde im allgemeinen Interesse verzichtet. Bezeichnend für die faire Veranstaltung war die persönliche Verabschiedung durch den evangelischen Gemeindepfarrer Uwe Loeper, der sich sehr über die Anwesenheit der Pro-NRW-Funktionäre freute.